Ehrenmord: Vater tötet Töchter wegen Affäre

Waslat Hasrat-Nazimi

Ein Vater in Afghanistan tötete seine zwei Töchter, weil eine von ihnen mit ihrem Geliebten davongelaufen war und die andere ihr dabei geholfen hatte. Kritiker sehen darin wie immer den Einfluss der Taliban.

Für die junge afghanische Frau schien die Flucht aus ihrem Elternhaus mit ihrem Geliebten der einzige Ausweg für ihre große Liebe gewesen zu sein. In der streng islamischen Gesellschaft Afghanistans ist so ein Schritt in die Freiheit eine undenkbare Straftat. Vor allem für eine Frau. Eine außereheliche Beziehung zwischen Mann und Frau gilt als Verletzung der Familienehre, die mit dem Tod geahndet werden kann.

Vor kurzem tötete der Vater in der südafghanischen Provinz Helmand die Entlaufene und ihre Schwester, sagt einer der Nachbarn der Familie. “In unserem Dorf wurde spekuliert, dass eine der Töchter mit einem Übersetzer weggelaufen ist.”  Viele im Dorf der Familie schweigen über die Tat.  Man höre meistens Gerüchte über das, was geschehen ist, sagt der Nachbar: “Ihre Schwester wurde auch vom Vater getötet, weil sie bei der Flucht mitgeholfen hatte.” Beide Frauen sollen volljährig gewesen sein.

Tabubruch wird mit dem Tod bestraft

Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester plante die Frau ihre Flucht, vermutet der Nachbar. Mit ihrem Geliebten, einem afghanischen Übersetzer für die NATO, wollte sie sich von der Unterdrückung im Alltag befreien und ein neues Leben anfangen.

“Der Übersetzer hat sie in einem Auto weggefahren. Als das Auto auf dem Weg eine Panne hatte, floh der Übersetzer.  Die Frauen gingen wieder nach Hause”, skizziert Omarjan Haqmal, Polizeikommandant aus dem Distrikt Nad Ali in Helmand.  Zu Hause mussten sie und ihre Schwester den Tabubruch mit dem Leben bezahlen. “Die Töchter wurden zuerst geschlagen und gefoltert, bevor sie später umgebracht wurden. Erste Ermittlungen zeigen, dass sie von ihrem Vater getötet wurden”, bestätigt Kommandant Haqmal.

Schwache Regierung stärkt den Einfluss der Taliban

Es passiert nicht selten, dass junge Frauen von zu Hause weglaufen. Meistens sind Zwangsheirat, häusliche Gewalt und Unterdrückung die Gründe. Allein in den letzten Monaten wurden in Helmand mehr als 50 Fälle  registriert, sagt eine Provinzreferentin für Frauenangelegenheiten, die anonym bleiben möchte. Dies sei jedoch das erste Mal, dass das Familiendrama mit dem Tod endete. “Die Regierung ermittelt jedoch nicht und so bleiben die Fälle unaufgeklärt”, beklagt die wütende Beamtin, “es bleibt die Frage: Wir haben einen Gouverneur, eine Justiz und eine Polizei. Wie kann so etwas dennoch passieren?”

Gewalt gegen Frauen habe in den letzten Jahren weiter zugenommen, trotz aller Bemühungen. Solange die Menschen die Denkweise der radikal-islamischen Taliban aus Angst nicht ablegen, werde sich nichts ändern, sagt die anonyme Frauenrechtsaktivistin.  Erst vor kurzem wurde eine Frau wegen angeblichen Ehebruchs in der Nähe von Kabul vor versammelter Menge erschossen. Die Menschen jubelten vor Begeisterung. Eine Szene, die an die vergangenen Zeiten der Talibanherrschaft erinnerte – so lebendig, wie seit 11 Jahren nicht mehr.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

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