Afghanischer Fußball für die Nationale Einheit

Nach dem Afghanistan gegen Indien im SAFF Championship als Sieger hervor gegangen ist, ist das ganze Land in Feierlaune. Ethnische Unterschiede und Rivalitäten sind erst einmal vergessen.

Es ist ein ungewöhnliches Bild in dem sonst von Krieg überschattenden Land. Patriotische Lieder erklingen aus allen Restaurants und Geschäften, überall hängt die Flagge Afghanistans. Hier und da ertönen immer noch Luftschüsse und Feuerwerkskörper. Kinder rennen auf den Straßen und lachen, an ihnen vorbei fahren Männer zu Dutzenden in Autos vorbei und sie allen rufen eins: Lang lebe Afghanistan!

Wenige Stunden zuvor hat die afghanische Fußball Nationalmannschaft den Cup der „Southasian Football Federation“ gewonnen. Im Finale gewann das Team 2:0 gegen Indien. Es ist der erste Sieg in einem Internationalen Wettbewerb und damit ein einmaliger Grund für die Afghanen die ganze Nacht bis in den Morgen zu feiern – und das nicht nur in der Hauptstadt Kabul. Das ganze Land war eine einzige Party, sagt Nek Wali fröhlich. Er lebt in der Provinz Khost, ganz im Osten des Landes. „Ich bin sehr glücklich, dass Afghanistan das Spiel gewonnen hat. Es macht mich so stolz. Nek Wali lächelt. „Alle Afghanen sind heute glücklich und feiern gemeinsam – egal ob Tadschiken, Turkmen oder Hazara. Das ist unser gemeinsames Land und es ist eine Ehre diesen Cup gewonnen zu haben“.

Fußball eint das geteilte Afghanistan

Durch den gemeinsamen Sieg ist das sonst sehr geteilte Afghanistan vereint, so scheint es. Das afghanische Volk besteht aus vielen Ethnien und Stämmen, viele davon hegen Groll oder gar Feindschaft gegeneinander. Viele Jahre Krieg und Armut haben diese Teilung in ethnische Gruppen begünstigt.

Aber an diesen Tagen ist alles anders, sagt auch Ahmad Fawad. Seit der Siegesnacht sind die Afghanen immer noch am feiern. Sie können gar nicht genug kriegen. Der junge Mann aus Kabul hat mit seinen Freunden viele Tränen der Freude geweint während sie das Spiel zusammen verfolgten, sagt er emotional. Der Sieg der Fußballmannschaft sei ein Sieg für ganz Afghanistan. Die afghanische Nationalmannschaft hätte das erreicht, was die Politiker in all den Jahren nicht konnten: das Land zu einen. „Das Spiel und der Sieg hatten wirklich einen intensiven Einfluss auf die Nationale Einheit Afghanistans. In der letzten Nacht war das ganze Land wach und hat gefeiert. Egal welche Ethnie oder Stamm, alle standen gemeinsam und waren stolz darauf Afghanen zu sein.“

Sport als Weg in eine neue Zukunft

Dass der Sieg ausgerechnet am 11. September, der Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York war, ist für die Afghanen ein Zeichen die Vergangenheit ruhen zu lassen und nun den Schritt in eine positive Zukunft zu gehen, sagt Fereshta, eine Studentin an der Universität Balkh im Norden des Landes. „Der Sieg der afghanischen Mannschaft in der Südasien Cup ist eine positive Botschaft an die Bevölkerung. Es zeigt den Menschen, dass Afghanistan fähig ist sportlich fair zu siegen“. Fereshta hofft, dass das erst der Anfang für die Afghanen ist.

Mit seinem Sieg hat Afghanistan es geschafft sein internationales Ansehen zu verbessern. Im nächsten Monat wird ein Aufstieg im Ranking der FIFA erwartet. In der 90 jährigen Geschichte des afghanischen Fußballs ein einzigartiger Erfolg

Deutsche Unterstützung

Nicht ganz unbeteiligt daran waren auch vier afghanische Spieler, die in Deutschland leben und spielen. „Ich bin so glücklich, einfach überglücklich, dass ich meinem Land helfen konnte. Ich hab ein Tor geschossen und wir haben das Spiel für uns entschieden“, so Sandjar Ahmadi, der das zweite Tor gegen Indien geschossen hat. Er ist überglücklich einen Teil zu der Freude der Afghanen beigetragen zu haben. Obwohl auch er fernab von seinem Heimatland lebt, war es ihm wichtig in der scheinbar erfolglosen Nationalmannschaft zu spielen.

Mansur Faqiryar aus Hamburg ist der Torwart der afghanischen Nationalmannschaft. Seine Fähigkeiten hat er mehrmals während der letzten Spiele unter Beweis stellen können. Selbst die gefährlichsten Bälle schienen an Faqiryar nicht vorbeigehen zu können. Von vielen Afghanen wurde er als Held gefeiert, und am meisten gelobt – dass er einen deutschen Pass hat, war dabei irrelevant. „Dass wir so einen Erfolg nach Hause holen konnten ist unglaublich. Ich bin so stolz auf alle und auf alle Afghanen. Wir haben wirklich unter schwierigen Bedingungen gespielt und konnten dennoch für unsere Nation und unsere Heimat den Sieg davontragen“.

Beiden Spielern ist der Stolz förmlich vom Gesicht ab zu lesen. Auch wenn es bald wieder zurück nach Deutschland geht – jetzt sind sie erst mal nur Afghanen.

Waslat Hasrat-Nazimi

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