Kabul will mit Taliban verhandeln

Die Regierung Karsai sucht das Gespräch mit den Taliban, um zu einer sogenannten “politischen Lösung” zu kommen. Die Taliban bestreiten, dass es Gespräche gebe – auf Druck Pakistans, wie Beobachter meinen.

Shakib Mustaghni Afghanistan Außenministerium (Foto: DW)

Während sich die NATO-Truppen zum Abzug aus Afghanistan bereitmachen, mehren sich Berichte über Versuche Kabuls, mit den Taliban in Verhandlungen einzutreten. So ist nach Angaben der Kabuler Regierung vor einigen Tagen eine Delegation des Hohen Friedensrats nach Dubai (VAE) gereist, um mit ehemaligen und aktiven Talibanführern eine “politische Lösung” für den Konflikt in Afghanistan zu diskutieren. “Es ist ein wichtiger und positiver Schritt für den Friedensprozess der Islamischen Republik Afghanistans”, so Ahmad Shakib Mustaghni, Sprecher des afghanischen Außenministeriums (s. Artikelbild).

Bereits seit 2001 habe es Versuche gegeben, mit den Taliban zu verhandeln, sagt Jochen Hippler, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. In den folgenden Jahren sei es mehrmals zu informellen Kontakten zwischen den USA beziehungsweise Kabul und den Extremisten gekommen, aber: “Es war nie wirklich klar, mit wem man redet, und es ist noch weniger klar, was dabei herausgekommen ist. Insofern würde ich nicht vor Aufregung die Luft anhalten wollen”, sagt Hippler mit Bick auf die jüngsten Meldungen über Gespräche zwischen Kabul und den Taliban.

Taliban dementieren Gespräche

Agha Jan Mutassim, Ex-Minister des Taliban-Regimes (Foto: AFP/Getty Images)

Ein Sprecher der Taliban hat unterdessen dementiert, dass Gespräche in Dubai stattgefunden hätten. Er wies auch die Meldung zurück, dass Agha Jan Mutassim, ehemalige Minister während der Talibanherrschaft, die Taliban-Delegation bei den angeblichen Gesprächen leite.

Mutassim lebt nach einem missglückten Attentat auf ihn in Pakistan seit einigen Jahren in der Türkei. Beobachter sind sich uneinig, über welchen Einfluss Mutassim heute noch bei den Taliban verfügt. Ahmad Saidi, ehemaliger afghanischer Botschafter in Pakistan, sagte der Deutschen Welle, dass nach seinen Informationen neben Mutassim sechs weitere militärische und politische Führer der Taliban an den Gesprächen teilnähmen.

Dass sich die Taliban nicht öffentlich dazu äußern, sei vor allem dem Einfluss Pakistans geschuldet, so Saidi. “Der Anführer der Taliban (Mullah Omar) lebt in Pakistan. Selbst wenn er die Dubai-Gruppe autorisiert hat, so können die Taliban den Friedensprozess nicht öffentlich unterstützen, denn der pakistanische Geheimdienst ist dagegen.” Auch Jochen Hippler meint, dass eine Blockade von Seiten Pakistans denkbar sei. “Der pakistanische Geheimdienst hat schon immer, wenn es politisch nützlich erschien, versucht, die verschiedenen afghanischen Talibangruppen gegeneinander auszuspielen und unter Druck zu setzen.”

Attentat auf Unterhändler in Peshawar

Ein Opfer dieses Drucks könnte Abdul Raqeeb Takhari gewesen sein. Takhari, ebenfalls ein früherer Talibanminister, wurde am Montag (17.02.2104) in Peshawar von Unbekannten erschossen. Kurz vorher soll er in Dubai gewesen sein, um an den Friedensgesprächen teilzunehmen. Für Ahmad Saidi ein weiterer Beweis dafür, dass Pakistan ein Abkommen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban verhindern will. “Nur wenn Afghanistan die Taliban der Kontrolle Pakistans entwinden kann, haben die Bemühungen um eine Verhandlungslösung eine Chance”, sagte Saidi gegenüber der DW. Auch das afghanische Außenministerium kritisierte Pakistan und warf dessen Regierung vor, nicht aufrichtig zu handeln.

Pakistan wiederum ließ am Donnerstag (20.02.2014) verlauten, dass Gespräche Kabuls mit früheren Taliban-Führern eine innere Angelegenheit Afghanistans seien. Pakistan unterstütze die Bemühungen Kabuls um eine Verhandlungslösung mit den Taliban, regionale Stabilität liege auch in Pakistans Interesse, so eine des pakistanischen Außenministeriums laut der afghanischen Nachrichtenagentur Pajhwok.

Das Attentat auf Takhari zeige, wie unübersichtlich die Lage sei, meint Jochen Hippler. “Dieser politische Prozess, den wir jetzt erleben, ist widersprüchlich und schwierig. Die, die sich an den Gesprächen beteiligen, gehen, bei geringen Erfolgsaussichten, ein relativ großes Risiko ein.”

Dieser Artikel erschien zu erst auf:  DW.de

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