Klare Worte von Islamabad gefordert

Noch im Mai sah es nach einem neuen Kapitel in den schwer belasteten Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan aus. Die jüngste Anschlagsserie der Taliban hat das vorerst beendet.

Pakistans Premier Sharif mit afghanischem Präsidenten Ghani in Kabul im Mai (Foto: Reuters)

Nach einer Serie von Bombenanschlägen in Kabul mit über 50 Toten und Hunderten Verletzten am vergangenen Freitag und weiteren Anschlägen in mehreren Provinzen Afghanistans, sieht es für die Zukunft der sogenannten “Friedensgespräche” mit den Taliban düster aus. Das gilt damit auch für die Aussichten einer Stabilisierung Afghanistans und dem gemeinsamen Ansatz mit Pakistan, die Aufstandsbewegung einzudämmen.

Am Donnerstag hat sich eine hochrangige Delegation der afghanischen Regierung mit den Chefs der Ressorts Äußeres, Verteidigung und Sicherheit auf den Weg nach Islamabad gemacht. Die dortige Führung soll bei den eintägigen Gesprächen zu “konkreten Maßnahmen” gegen die Taliban aufgefordert werden, hieß es von Seiten Kabuls. “Wir können nicht länger hinnehmen, dass unser Volk in einem uns von außen aufgezwungenen Krieg verblutet”, sagte Ghani nach dem Wochenende des Schreckens. Und am Mittwoch legte ein Sprecher des afghanischen Geheimdienstes nach: “Unsere Quellen beweisen, dass das pakistanische Militär die Angriffe (in Kabul) mittels seiner Handlanger durchgeführt hat. Es handelt sich dabei um Mitglieder des terroristischen Haqqani-Netzwerks.”

Afghanistan Anschlag am Flughafen Kabul (Foto: Getty Images/AFP)

Hoffnungen auf weiteren Dialog zerschlagen

Dabei war der neue Präsident Ashraf Ghani mit der erklärten Absicht angetreten, gegenüber Pakistan einen versöhnlicheren Ton als von Afghanistan gewohnt, anzuschlagen und auf Kooperation anstatt auf Vorwürfe an die Adresse Islamabads zu setzen. Ein erstes Treffen einer afghanischen Delegation mit Taliban-Vetretern im pakistanischen Wintersportort Murree im Juli schien diese Strategie Recht zu geben. Aber dann kam die Bestätigung des Todes des Taliban-Führers Mullah Omar und die Übernahme seiner Rolle durch Mullah Mansur. Eine weitere geplante Gesprächsrunde wurde nach der überraschenden Meldung von den Taliban abgesagt, statt dessen folgten die blutigsten Anschläge in Kabul seit Jahren.

Was können jetzt die Gespräche mit der Führung, darunter mit Ministerpräsident Sharif, in Pakistan bringen? Der ehemalige afghanische Botschafter in Pakistan, Ahmad Saidi, erklärte gegenüber der DW, die seit langem bestehenden Zweifel am aufrichtigen Engagement Pakistans beim Friedensprozess seien jetzt endgültig bestätigt worden. “Die pakistanischen Behörden haben den Tod Mullah Omars jahrelang verschwiegen. Jetzt, erste Friedensgespräche mit den Taliban stattgefunden haben, haben sie mit dieser Nachricht den Prozess sabotiert. Der Schleier, der sich über das wahre Verhalten Pakistans gelegt hatte, ist nun weggerissen worden”, sagt Saidi. Dessen ungeachtet hält er den Termin in Islamabad für sehr wichtig in Bezug auf eine mögliche Wiederbelebung des “Friedensprozesses”: “Es hängt alles davon ab, mit wie viel Nachdruck die Delegation in Islamabad die Forderungen Afghanistans einklagt.”

Trotz der klaren Schuldzuweisung an Pakistan sieht der Ex-Botschafter also keine Alternative zum Versuch, auf Islamabad einzuwirken. Eine baldige Wiederaufnahme von Friedensgesprächen siehr auch der Chef der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA), Nicholas Haysomer, nicht,. Der DW sagt er aber, dass es mittelfristig sicher dazu kommen werde, eben, weil es keine Alternative gebe.

Mitglieder der Partei Jamiat Nazraiti beten für den Taliban Chef Mullah Omar (Foto: Getty Images/AFP)

Machtkämpfe innerhalb der Taliban?

Während Kabul Pakistan hinter den Anschlägen sieht, gehen westliche Experten davon aus, dass Machtkämpfe bei den Taliban auch eine Rolle spielen. Die Übernahme der Führungsrolle durch Mullah Mansur ist innerhalb der Gruppe umstritten. Sein Aufruf zum Kampf nach der Übernahme seiner neuen Führungsrolle könnte ein Versuch sein, Einheit zwischen den Taliban zu stiften. “Ein Eintreten für Verhandlungen könnte Mansur schwach aussehen lassen und eine Aufsplittung der Bewegung nach sich ziehen“, sagt Kate Clark vom Afganistan Analysts Network.

Für die unter dem Terror leidende afghanische Bevölkerung sind solche Spekulationen zweitrangig. Nach dem Anschlag von vor einer Woche in Kabul organisierten Angehörige von Opfern Mahnwachen, Vertreter der Zivilgesellschaft riefen zu Blutspenden auf. Gleichzeitig unterstützen die Menschen die neue Haltung Ghanis gegenüber Pakistan. Mohammad Fardin Sultani sagte der DW, er habe zwei Brüder bei dem Anschlag verloren. Dennoch habe er die 50.000 Afghani (etwa 725 Euro) Entschädigung abgelehnt. “Wir wollen keine Almosen, sondern Aufklärung. Es ist genug mit dem Hin und Her mit Pakistan. Die Regierung muss den Feind endlich beim Namen nennen.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf:  DW.com

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