Treffen in Kabul sondiert Friedensgespräche

Zum vierten Mal treffen sich Vertreter Pakistans, Afghanistans, der USA und Chinas, diesmal in Kabul, um nach Wegen zu suchen, die Taliban zu Friedensgesprächen zu bewegen. Aber noch schwören die wenigsten der Gewalt ab.

Taliban in Afghanistan (Foto: Getty Images)

Bei seiner Rede am Nationalfeiertag und zum Gedenken an den Abzug der sowjetischen Truppen am 14. Februar hatte Präsident Ashraf Ghani die islamistischen Taliban einmal mehr dazu aufgerufen, sich den Friedensbemühungen anzuschließen. “Ein weiteres Mal wende ich mich an die Taliban mit der Forderung, sie mögen in Gottes Namen, um des Volkes Willen und die Bemühungen der Mujaheddin-Führer respektierend, den Ruf des Friedens bejahen”, so Ashraf Ghani, der noch nicht müde geworden ist, an eine politische Lösung zu glauben.

Fehlende Gesamtstrategie

“Bisher wissen wir weder wann die ‘richtigen’ Gespräche beginnen sollen, noch kennen wir die Namen derjenigen Taliban, die mithilfe der Vermittlung Pakistans teilnehmen sollen”, sagt Alexey Yusupov, Leiter der Friedrich-Ebert Stiftung in Kabul. Die Gespräche kämen vor allem deshalb nicht in Gang, so Yusupov, weil immer noch kein einheitlicher Umgang mit den Taliban festgelegt sei. Einerseits gebe es die Überlegung, zwischen “guten” und “schlechten” Taliban zu unterscheiden, also zwischen denjenigen, mit denen man sprechen möchte, und den anderen, die es zu bekämpfen gelte. Anderseits werde dieser Ansatz kritisiert, weil damit auch der Verlust eines einheitlichen Gegenübers verloren gehe, mit dem man ein Abkommen erzielen könne. “Solange Kabul sich nicht auf eine Vorgehensweise geeinigt hat, wird der Prozess schleppend verlaufen”, sagt Yusupov gegenüber der DW.

Das Ziel der Friedensgespräche ist eine politische Lösung, die ein Ende der Gewalt und langfristigen Frieden in Afghanistan herbeiführen soll. Für die afghanische Regierung bedeutet das auch eine politische Teilhabe der Taliban an der Regierung. Wie die aber genau aussehen soll, ist unklar. Die Taliban äußerten sich bislang nicht zu möglichen Gesprächen. Im Januar nannten sie als Vorbedingungen für Gespräche eine Beseitigung ihrer Organisation und Mitglieder von der Sanktionsliste der UN (von 1999 bzw. 2006) sowie die Anerkennung ihrer politischen Vetretung in Katar und die Freilassung mehrerer Gefangener.

In der südlichen Opium-Provinz Helmand gerät die afghanische Armee (Foto) derzeit in die Defensive. (Foto: Getty Images)In der südlichen Opium-Provinz Helmand gerät die afghanische Armee (Foto) derzeit in die Defensive

Militärische Stärke der Taliban

Unterdessen naht der Frühling in Afghanistan und damit auch die alljährliche Frühjahrsoffensive der Taliban. Die Gruppe ist ohnehin in weiten Teilen des Landes aktiv und beweist weiterhin militärische Stärke. Letztes Jahr gelang es ihnen, kurzzeitig die Provinzhauptstadt Kundus zu erobern. Auch dieses Jahr werden heftige Angriffe erwartet. Die Taliban könnten sich damit eine stärkere Verhandlungsposition in den Gesprächen verschaffen.

Um eine erneute Niederlage wie in Kundus zu verhindern, trafen sich Vertreter der Bundeswehr und des afghanischen Militärs vor zwei Wochen in Kundus. Besprochen wurden die Themen Sicherheit, die Fortschritte in der Ausbildung der afghanischen Soldaten sowie die Zusammenarbeit im Norden. “Wir dürfen nicht zulassen, dass wir den Kampf gegen den Terror verlieren und wir hoffen, dass wir weiterhin auf die Hilfe vor allem unserer deutschen Freunde zählen können”, sagte der stellvertretende Innenminister Ayub Salangi der DW. “Keiner weiß genau, wie stark das afghanische Militär wirklich ist”, so Yusupov von der FES. “Das weiß wahrscheinlich nicht mal die afghanische Regierung selbst.” Bisher sei es Kabul zwar immer gelungen, seine Kräfte dahin zu verlegen, wo es gebrannt habe. Allerdings sei das kein nachhaltiges Konzept. “Eine ähnliche Dynamik wird es in 2016 auch geben. Wir müssen hoffen, dass es nicht zu einem gleichzeitigen Aufflammen in allen Ecken kommt, so dass die afghanischen Sicherheitskräfte das nicht mehr bewältigen können.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf:  DW.com

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