Kabul Bank – Millionenbetrug und Korruption

Waslat Hasrat-Nazimi

Korruption ist allgegenwärtig in Afghanistan. Der Skandal um die Kabul Bank zeigt die Dimension des Problems: Über 900 Millionen Dollar schafften Mitarbeiter – zum Teil Verwandte von Präsident Karsai – ins Ausland.

Kabul Bank

Jahrelang haben sich Anteilseigner und Mitarbeiter von Afghanistans größtem Kreditinstitut, darunter ein Bruder von Präsident Hamid Karsai, an den Einlagen der Kunden bereichert. Dies stellte eine unabhängige, mit Afghanen und internationalen Experten besetzte Untersuchungskommission fest. Mehr als 900 Millionen Dollar soll eine 22-köpfige Gruppe, gegen die inzwischen Anklage erhoben wurde, veruntreut haben. Diese Summe und die Kosten einer finanziellen Rettungsaktion der Regierung entsprechen etwa fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Geldscheine wurden über die bankeigene Fluggesellschaft Pamir Airways ins Ausland geschafft, zum Teil versteckt in Servierwagen und Essenscontainern.

Enttäuschte Kunden, zuversichtliche Regierung

“Den Schaden tragen die afghanischen Menschen, die ihr Geld zur Bank gebracht haben”, klagt Suleiman aus der Hauptstadt Kabul. Er ist einer von vielen enttäuschten Kunden der Bank: “Die Kabul Bank hatte früher einen guten Namen in Afghanistan. Das Vertrauen war groß. Heute ist es besser, das Geld zu Hause zu lassen. Seit dem Skandal können die Menschen kaum noch schlafen, weil sie nicht wissen, was mit ihrem Geld passiert. Es ist sowieso schon schwer genug, das Geld zu verdienen.” Continue reading

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Afghan bank scandal shows extent of corruption

Once again, Transparency International has ranked Afghanistan quite low on its corruption index just after a scandal came to light surrounding the country’s former largest bank and high-ranking officials.

Kabul Bank Sign

The extent of corruption in Afghanistan has become evident in the recently uncovered scandal surrounding the country’s former largest bank. A recently-launched investigative inquiry has even implicated connections to President Hamid Karzai’s 2009 re-election campaignand scams engineered by stockholders and employees of Ka.

Over 900 million dollars were fraudulently dispersed to over 10 individuals and seven companies in what has become the country’s largest baking scandal and one of the largest bank failures worldwide; the bank collapse and government bailouts together make up around five percent of Afghanistan’s total GDP.

The investigation found that some of the money had been hidden in serving carts and food packaging and transported out of the country via the now-defunct Pamir Airways, which was owned by shareholders related to the bank. In November, 22 people appeared before a special tribunal to try those allegedly involved, including President Karzai’s brother. Continue reading

Hungerstreik gegen Korruption

Waslat Hasrat-Nazimi

Der Aktivist Jahangir Akhtar hungert in Pakistan aus Protest gegen Korruption und steigende Militärausgaben. Anders als sein indisches Vorbild Anna Hazare findet Jahangir jedoch keinen Anklang.

Portrait Raja Jahangir Akhta mit Kopfbinde, darauf steht: Sieg oder Tod (Foto: DW)Jahangir Akhtar ist in den Hungerstreik getreten. Seit dem 12. September fastet er, wenn nötig, sogar bis zu seinem Tod: “Wenn die Behörden meine Forderungen nicht erfüllen, werde ich zum Märtyrer”, sagt er entschlossen. Der 68-jährige Pakistaner kämpft seit vielen Jahren gegen die weit verbreitete Korruption in Pakistan, mehrmals musste er schon ins Gefängnis. Erfolge hat er bei seinen Kampagnen bisher keine gehabt.

Doch als er von der großen Popularität des Anti-Korruptions-Aktivisten Anna Hazare im Nachbarstaat Indien hörte, schöpfte er neuen Mut. Hazare hatte mit seinem Hungerstreik eine Welle von Protesten ausgelöst. Tausende Menschen unterstützen seine Kampagne, die Medien machten ihn zum Tagesthema. “Ich bin durch das, was in Indien vor kurzem geschehen ist, inspiriert worden”, erzählt Akhtar. “Dort hat eine vergleichbare Aktion zu einem neuem Anti-Korruptionsgesetz geführt.”

 

“Korruption auf dem Höhepunkt”

Korruption ist auch in Pakistan ein schwerwiegendes Problem. Auf dem internationalen Korruptionsindex steht Pakistan auf Platz 143 (von 178). Sayed Adil Gilani von der internationalen Anti-Korruptions-Organisation “Transparency International” sagt, dass selbst die Spendengelder für die Opfer von Pakistans Flutkatastrophe im vergangenen Jahr veruntreut worden seien.

 

Ein Junge greift mit verzweifeltem Gesichtsausdruck nach einer Schüssel Reis (Foto:AP) Korruption: viele Spenden sollen die Opfer der Flutkatastrophe nicht erreicht haben

Die Korruption sei auf einem Höhepunkt in Pakistan, glaubt Gilani: “Die Regierung ist nur daran interessiert, dass Geld in persönliche Konten von hochrangigen Regierungsmitgliedern fließt. Korruption ist der eigentliche Grund für Terrorismus, Armut und Hunger. Korruption erschüttert die Fundamente von Pakistan.”

Dieser Zustand müsse sich ändern, sagt Jahangir Akhtar. Er will so lange hungern, bis seine Forderungen von der Regierung erhört werden. Sein Ziel: “Ich möchte einen Gesetzesentwurf, der im Parlament zustande kommt und der von einer Mehrheit der Abgeordneten unterstützt wird. Dieses Gesetz soll dann die Grundlage dafür sein, dass der Korruption in Pakistan endlich ein Ende bereitet wird.”

Medien boykottieren die Kampagne

Indiens Aktivist Anna Hazare im offenen Auto, umjubelt von Anhängern mit indischer Flagge(Foto:UNI NEW DELHI) Doch wirklich zuversichtlich ist Akhtar nicht. Bisher habe er von den Medien keine Unterstützung bekommen, berichtet er. Die meisten Journalisten haben angeblich nichts von ihm gehört. “Das ist das erste Mal, dass ich diesen Namen höre, obwohl ich in der Medienbranche tätig und Chefredakteur von drei Tageszeitungen bin”, sagt auch der Journalist Mohammed Aslam.

Ein Journalist, der anonym bleiben will, vermutet, dass die pakistanischen Medien deshalb nicht über Jahangirs Aktion berichten, weil sie vom pakistanischen Geheimdienst und vom Militär kontrolliert würden. Beide Institutionen sind erklärte Feinde von Akhtar, denn er hat sie wiederholt kritisiert: “Pakistan hat die sechstgrößte Armee der Welt. Das meiste Geld unseres Budgets geht in die Armee.

Aufgrund dieser finanziellen Last sind die pakistanischen Bildungseinrichtungen in einem katastrophalen Zustand.”

Außerdem leide die pakistanische Jugend an akuter Arbeitslosigkeit und Kranke hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, sagt der 68-jährige Vater von drei erwachsenen Kindern. Pakistan solle weniger für das Militär und mehr für soziale Belange ausgeben. Jahangir Akhtar lächelt. Er trägt ein schwarzes Stirnband auf dem steht: “Victory or Death” – Sieg oder Tod. Er ist für beides bereit.

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

UN: Folter in afghanischen Gefängnissen

Waslat Hasrat-Nazimi

Folter und Misshandlungen seien in afghanischen Gefängnissen alltäglich, heißt es in einem UN-Bericht. Die von der NATO geführte Internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF reagierte prompt.

Afghanische Polizisten stehen vor einem Gefängnis (Foto: DW)

“Wir überstellen vorläufig an einige afghanische Gefängnisse keine Gefangenen mehr”, erklärte ISAF-General Carsten Jacobsen. “Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, die so lange gilt, bis die Situation in den Gefängnissen überprüft und geeignete Schritte eingeleitet worden sind.” Damit reagiert die NATO auf den Bericht der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA), in dem es heißt, Schläge, Demütigungen und Folter seien in afghanischen Haftanstalten an der Tagesordnung.

Regierung weist die Vorwürfe zurück

Die afghanische Regierung versteht den UN-Bericht als Anschuldigung, sie dulde Folter in Gefängnissen, und reagierte empört. Der afghanische Innenminister Bismillah Mohammadi zeigte auf einer eigens zu dem Thema einberufenen Pressekonferenz kein Verständnis: “Die afghanischen Sicherheitsbehörden bestreiten diesen Bericht. Vertretern internationaler und nationaler Organisationen sei immer Zugang zu den Gefängnissen gewährt worden. Doch Menschenrechtler und auch die Vereinten Nationen hätten bisher nie entsprechende Vorwürfe erhoben, betonte der Innenminister.

Auch die unabhängige zentralafghanische Menschenrechtskommission steht dem UN-Bericht kritisch gegenüber – selbst wenn ihr Vorsitzender Shamsullah Ahmadzai einräumt, dass Folter eine lange Tradition in Afghanistan hat: “In unseren Gefängnissen gibt es Anzeichen für Folterungen, aber im Vergleich zur Vergangenheit haben sie stark abgenommen. Der Bericht der Vereinten Nationen besagt, dass in Sicherheitstrakten Folter sozusagen zum System gehört. Ich denke nicht, dass dieser Bericht der Wahrheit entspricht.”

Korrupte Behörden

Der eigentliche Grund, warum die ISAF ihre Gefangenen nicht den afghanischen Gefängnissen übergeben wolle, sei ein anderer, vermuten afghanische Experten. Die ISAF vertraue den afghanischen Behörden nicht, weil diese in weiten Bereichen korrupt seien. Denn durch illegale Geldtransfers oder Familieninterventionen kommen ISAF-Gefangene aus afghanischen Gefängnissen oft schnell wieder frei.

General Mohammad Naim Momin vom afghanischen Geheimdienst kennt dieses Problem aus eigener Erfahrung: “Erst vor kurzem ist einer unserer Gefängnis-Verwaltungsleiter zu mir gekommen und hat mich gebeten, einen der Verantwortlichen für viele Selbstmordattentate freizulassen und zu begnadigen. In Zukunft verbitte ich mir Wünsche dieser Art, denn sie sind untragbar.”

Immer wieder gelinge es einflussreichen Fürsprechern, inhaftierte Verbrecher freizukaufen, beklagt Momin. Auch ihn selbst hätten Stammesälteste und Clanmitglieder bereits unter Druck gesetzt.

Mangelndes Vertrauen

Der UN-Bericht zeige ein tiefes Misstrauen der westlichen Staaten gegenüber der afghanischen Justiz, sagen Experten in Kabul. Und er liefere den ISAF-Truppen einen Grund dafür, ihre Gefangenen nicht mehr in afghanische Hände zu geben. Sollte das gegenseitige Misstrauen bestehen bleiben, diene das nicht der Sicherheit des Landes, betonen sie.

Noch kontrollieren die USA die riesige Haftanstalt in der ostafghanischen Provinz Parwan. Sie sollte ursprünglich 2012 an die afghanischen Behörden übergeben werden, doch nun wurde die Übergabe auf 2014 verschoben. Viele Afghanen sehen darin einen weiteren Vertrauensentzug für ihre Regierung.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de