Bürokratie erschwert Flüchtlingen Job-Einstieg

Integration ohne einen Job ist kaum möglich. Viele Flüchtlinge wollen arbeiten, aber Bürokratie-Chaos, Sprachbarrieren bei Behörden und lange Wartezeiten machen es ihnen schwer, einen Einstieg zu finden.

Pakistanischer Flüchtling als Lehrling in Chemnitz (picture alliance/dpa/J. Woitas)

Kommen Flüchtlinge nur nach Deutschland, um dem Sozialstaat Deutschland auf der Tasche zu liegen? Oder nehmen Flüchtlinge den Deutschen die Arbeitsplätze weg? Während diese Fragen von einigen Deutschen gestellt werden, sieht die Realität für Flüchtlinge oft anders aus. Häufig sind arbeitswillige Flüchtlinge frustriert, weil ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt bleibt. Es gibt viele Hindernisse zu überwinden. Von der Anerkennung der heimischen Abschlüsse über das Zurechtfinden auf dem Arbeitsmarkt bis hin zur fremden Gesetzeslage. Einen Job zu finden ist für viele Flüchtlinge erst mal ein sekundäres Problem. Und ist der Job gefunden, ist das noch keine Garantie für den sofortigen Einstieg. Continue reading

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Einwohner von Masar-i-Scharif unter Schock

Der Taliban-Angriff auf das deutsche Konsulat hat nicht nur dessen Mitarbeiter geschockt, sondern auch die Bevölkerung der Stadt in Nord-Afghanistan.

Afghanistan Aufräumarbeiten nach Taliban-Angriff auf deutsches Konsulat (Getty Images/AFP/F. Usyan)

Am Morgen nach dem Angriff auf das deutsche Konsulat in Masar-i Scharif zeugen ein großer Krater mitten in der Straße, schwere Schäden am Konsulatsgebäude und zersprungene Fensterscheiben in der Nachbarschaft von der starken Explosion der nächtlichen Autobombe. Nach der Explosion lieferten sich Taliban-Kämpfer Feuergefechte mit Sicherheitskräften. Über 120 Personen wurden durch die Explosion und die Kämpfe verletzt, sechs getötet. Continue reading

Afghanistan: Enttäuschte Heimkehrer

Viele afghanische Flüchtlinge verlassen Deutschland und kehren heim. Sie seien enttäuscht, berichtet Markus Potzel, deutscher Botschafter in Kabul. 2015 startete eine Kampagne, um den Afghanen von der Flucht abzuraten.

Flüchtlingslager in Deutschland (Foto: DW)

Herr Botschafter Potzel, Sie haben im November 2015 eine Kampagne unter dem Motto “Flucht nach Europa? Denk noch mal darüber nach!” gestartet. Ziel ist, Afghanen zu überzeugen, in ihrem Heimatland zu bleiben, statt nach Europa zu fliehen. Wie hat sich die Lage seither entwickelt?

Markus Potzel (Foto: DW)

2015 waren ungefähr 154.000 Afghanen nach Deutschland geflüchtet. Nach den letzten Zahlen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind vom Januar bis zum März 2016 etwa 32.000 Flüchtlinge aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Continue reading

Rückkehrer wagen Neuanfang in Afghanistan

Vom ersten Flug afghanischer Rückkehrer nach Kabul soll Signalwirkung ausgehen: Weniger Afghanen sollen auf die Flucht nach Europa setzen, weitere freiwillig Deutschland verlassen.

Afghanische Flüchtlinge werden auf dem Kabuler Flughafen begrüßt (Foto: DW)

Es war ein freudiges Wiedersehen am Flughafen in Kabul. Eine Chartermaschine hatte 135 Afghaninnen und Afghanen aus Deutschland zurück nach Kabul gebracht. Enttäuscht und desillusioniert von ihrem kurzen Aufenthalt auf deutschem Boden, wollen viele afghanische Flüchtlinge wieder zurück nach Hause. Sharif Ahmad ist einer von ihnen. Der 25jährige kehrte nach sechs Monaten zurück. “In Deutschland werden nur syrische Flüchtlinge gut behandelt. Wir haben keine Möglichkeit gehabt, eine Ausbildung zu bekommen oder uns frei zu bewegen”, sagte er gegenüber der DW in Kabul. Nun will er zurück in seine Heimatprovinz Herat und sich dort eine neue Existenz aufbauen. Continue reading

Ghanis Berlin-Besuch im Zeichen der Flüchtlingsfrage

Bereits zum zweiten Mal kommt Ashraf Ghani seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2014 nach Berlin. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Angela Merkel steht die Flüchtlingsfrage.

PK Merkel mit Ghani in Berlin, Dezember 2015 (Foto: Reuters)

100 Jahre deutsch-afghanische Freundschaft feiern beide Länder dieses Jahr. Dass dieses Jubiläum von einer Auswanderungswelle von Afghanen nach Deutschland geprägt sein würde, hätten Oscar Niedermayer und seine Mannschaft, die 1915 nach Afghanistan aufbrachen, wohl nicht ahnen können. Die Niedermayer-Hentig-Expedition sollte Afghanistan im Ersten Weltkrieg auf die Seite des Deutschen Reiches ziehen. Continue reading

100 Jahre deutsch-afghanische Beziehungen

Deutschlands Einsatz in Afghanistan hat eine lange Tradition. Lange vor dem Krieg gegen Terror waren beide Länder freundschaftlich verbunden. Symbol für diese Freundschaft ist die Amani-Schule in Kabul.

Amani Schule in Kabul Außenansichtn (Foto: picture-alliance/dpa)

Der Blick auf den Schulhof der Amani-Schule in Kabul. Eine “Oberrealschule” ist es, so steht es auf dem Schild. Und sowohl die Bezeichnung als auch die Flagge machen deutlich, dass Deutschland an dieser Schule eine besondere Rolle im Klassenzimmer spielt. Deutsch ist hier Unterrichtsfach. Und beliebt bei den afghanischen Schülern. “Sie haben großes Interesse, die deutsche Sprache zu erlernen”, sagt Mathelehrer Sayed Muqim. “Ich hoffe, dass einige von ihnen Stipendien für Deutschland erhalten, um mit der deutschen Technik und dem deutschen Bildungssystem vertraut zu werden und das Erlernte auch in Afghanistan umzusetzen.” Continue reading

Afghanische Ortskräfte protestieren in Kundus

Am Bundeswehrstandort Kundus haben afghanische Ortskräfte für besseren Schutz von der deutschen Seite demonstriert, etwa durch Asylgewährung. Sie sehen sich von der Bundeswehr im Stich gelassen.

“Was soll aus uns werden, wenn die Bundeswehr abzieht?” Diese Frage stellen sich die meisten der afghanischen Dolmetscher der Bundeswehr in Kundus. Etwa 30-40 junge Männer haben sich am Dienstag (14.05.2013) zum zweiten Mal binnen zwei Wochen vor dem Bundeswehrlager im Norden Afghanistan versammelt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und zu protestieren. Alle haben Angst um ihre Zukunft; auf der einen Seite droht ihnen Arbeitslosigkeit, anderseits werden sie von den aufständischen Taliban bedroht. Sie gelten als Verräter und Ungläubige, weil sie schon seit vielen Jahren mit den deutschen Soldaten zusammen gearbeitet haben.

Der afghanische Dolmetscher Assadullah Rezwan ist einer von ihnen. “Seit mehr als vier Jahren arbeite ich beim Wiederaufbau-Team Kundus im Bereich des Militärs”, erzählt Rezwan der Deutschen Welle. “Wegen dieser Zusammenarbeit wollte mich eine Gruppe von Aufständischen entführen. Sie riefen mich an und bedrohten mich.”

Rezwans Vertrag mit der Bundeswehr ist jetzt seit drei Monaten nicht verlängert worden. Seine deutschen Kollegen ziehen im Laufe des Jahres ab und er bleibt zurück. Rezwan sagt, er vertreibt sich seine Zeit im Fitnessstudio, aber auch dort sei er nicht sicher. Auch seine Familie lebe in Angst, dass ihnen etwas zustoßen könnte. Continue reading

Kundus-Opfer wütend über Beförderung Kleins

Waslat Hasrat-Nazimi

Oberst Klein, der den Befehl zu dem tragischen Angriff bei Kundus gegeben hatte, wird zum General befördert. Für die Bundeswehr ein “normaler” Vorgang – für die betroffenen Afghanen jedoch eine Provokation.

Der Name des deutschen Bundeswehrobersten Georg Klein hat in Afghanistan keinen guten Klang, ganz im Gegenteil. Denn Oberst Klein hatte in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2009 den Befehl zur Bombardierung zweier entführter Tanklastwagen nahe dem Feldlager Kundus gegeben. Über 100 Afghanen starben dabei beziehungsweise erlitten zum Teil schwere Verletzungen, die meisten davon Zivilisten, auch viele Kinder. Trotz der tragischen Fehlentscheidung, die Klein möglicherweise unter dem Druck eines vermeintlich bevorstehenden Angriffs traf, wurde Klein niemals belangt.

Personelle Konsequenzen gab es wegen mangelhafter Informationspolitik des Verteidigungsministeriums dennoch; ein Minister trat zurück, der Generalinspekteur der Bundeswehr musste seinen Posten ebenfalls räumen. Alle juristischen Prüfungen ergaben aber weder eine Anklage noch gar einen Schuldspruch gegen Klein.

“Normaler Vorgang”

Rechtsanwalt Karim Popal (Foto: Karlheinz Schindler) Insofern ist die Beförderung Kleins zum General, drei Jahre nach jenem verhängnisvollen Befehl, aus Sicht der Bundeswehr ein “ganz normaler” Vorgang. Er hängt zusammen mit seinem künftigen Schreibtisch-Job als Abteilungsleiter im neuen Bundeswehr-Amt für Personalmanagement. Kommentare in der deutschen Presse sind jedoch überwiegend kritisch. Was ein “ganz normaler” Vorgang innerhalb der Bundeswehr sein mag,  sehe moralisch und außenpolitisch anders aus. “So gewinnt der Westen nicht die Herzen der Afghanen”, heißt es in einem Kommentar.

Der Anwalt der Hinterbliebenen der Opfer von Kundus, Karim Popal, ist enttäuscht von der Beförderung Oberst Kleins und der Afghanistan-Politik Deutschlands insgesamt. “Herr Oberst Klein und sein damaliger Flugleitoffizier Wilhelm werden jetzt in der Bundesrepublik Deutschland noch befördert. Das sehe ich als einen Schlag ins Gesicht der afghanischen Zivilbevölkerung.” Das werde in Afghanistan ganz gewiss nicht als Akt der Völkerverständigung gesehen, so der Bremer Anwalt.

Karim Popal steht in engem Kontakt mit den Angehörigen und Hinterbliebenen der afghanischen Opfer in Kundus. Sie hätten einen ausführlichen Brief an die Bundesregierung abgefasst, in dem sie fordern, dass die für den Tod ihrer Kinder, ihrer Väter, ihrer Familien Verantwortlichen verurteilt werden. Für diese Menschen komme die Beförderung von Oberst Klein einer Beleidigung gleich, so der Anwalt weiter.

Wut auch über “halbherzige Hilfe”

Zu frisch sind die Erinnerungen an die Nacht des 4. September 2009. Sayed Rasoul, der Bruder eines der Opfer von Kundus, ist verzweifelt. Er sei seitdem für die Waisenkinder seines Bruders verantwortlich und wisse kaum, wie er sie über die Runden bringen soll, beschwert er sich. “Die Hilfen, die uns zuteil wurden, sind nutzlos. Wenn wir gewusst hätten, dass uns nicht langfristig geholfen würde und nach drei Jahren immer noch niemand an die Waisen denkt, hätten wir das nicht akzeptiert.” Der Verantwortliche für diese Tat müsse vor Gericht gestellt werden, fordert Rasoul.

Verbittert reagiert auch Noor Jaan, der bei dem Angriff vor drei Jahren schwer verletzt wurde, auf die Nachricht aus Deutschland. “Ich habe eine Hand verloren  und in meiner Schulter fehlt die Hälfte der Knochen. Sie haben mir versprochen, mich zu operieren. Aber bis heute ist nichts passiert.” Noor Jaan ist den Tränen nahe und bebt förmlich vor Wut. Hätten die Verletzten und Hinterbliebenen damals gewusst, dass die Hilfe nur halbherzig ausfallen würde, hätten sie sich damit niemals zufrieden gegeben, sagt er. (Den Familien von 91 Toten und elf Schwerverletzten wurden von der Bundeswehr 5.000 US-Dollar humanitäre Hilfe zugebilligt.)

“Wir haben Oberst Klein nie verziehen. Falls die deutsche Regierung ihm verziehen hat, sind wir sehr enttäuscht”, betont Noor Jaan. In den nächsten Tagen soll der Brief der Hinterbliebenen und Opfer des Bombardements von Kundus veröffentlicht werden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Langfristige Hilfe für Afghanistan

Waslat Hasrat-Nazimi/Martin Gerner

Die Internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn hat eine klare Botschaft gesendet: Afghanistan soll langfristig unterstützt werden. Aber auch die Regierung in Kabul wird in die Pflicht genommen.

Gruppenbild - Afghanistan Konferenz 2011 Bonn (Foto: Pool/AP/dapd)

Auch wenn die NATO-Truppen 2014 aus Afghanistan abgezogen sind, so soll das Land sich nicht selber überlassen werden. Diese Botschaft, die sich durch fast alle Reden auf der Afghanistan-Konferenz in Bonn zog, sollte vor allem eines: eine verunsicherte afghanische Öffentlichkeit beruhigen. Viele Menschen am Hindukusch befürchten, ein Abzug des NATO-Militärs könne das Land erneut den Taliban ausliefern und einem möglichen Bürgerkrieg auslösen.

“Wir sagen den Menschen in Afghanistan: Wir lassen Euch nicht allein, Ihr werdet nicht im Stich gelassen”, bekräftigte deshalb Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Afghanistan und seine Bevölkerung bräuchten andauernde und nachhaltige Unterstützung über 2014 hinaus. Im Gegenzug, so Westerwelle, müsse die afghanische Regierung ihre Hausaufgaben machen: mehr Kampf gegen Korruption und eine besser funktionierende Justiz. Präsident Hamid Karsai und sein Umfeld werden seit längerem für Korruption und Misswirtschaft verantwortlich gemacht.

Karsai zeigt sich einsichtig

Afghanistans Präsident Hamid Karsai spricht während der internationalen Afghanistan-Konferenz (Foto: dapd)Karsai gestand Versäumnisse ein und versprach Abhilfe. Er gab außerdem zu, seinen Landsleuten bisher nicht die versprochene Sicherheit gebracht zu haben. Al Kaida und andere terroristische Organisationen seien deutlich geschwächt, so Karsai. “Aber oft genug ist das Ausmaß des Problems verkannt worden, so dass die Terroristen unverändert ihren Krieg gegen die Menschen führen und Afghanistans Zukunft in Gefahr bringen.”

Damit zielte Karsai auch auf Pakistan, den großen Abwesenden der Konferenz. Ohne die Regierung in Islamabad dürfte es in der Tat schwer fallen, die Taliban, die in Bonn ebenfalls nicht vertreten waren, an den Verhandlungstisch zu bekommen. So konnte Bundeskanzlerin Angela Merkel lediglich verkünden, worum es ihr aus deutscher Sicht geht. Der Aufbau der Sicherheitskräfte sei weit vorangekommen. “Über 300 000 afghanische Polizei- und Armee-Angehörige sind bereits im Einsatz. Wir werden unser Partnerschaft und unser Monitoring fortsetzen, und zugleich werden die Soldaten abziehen können.”

Zukunft mit Fragezeichen

Was aber kommt nach dem Abzug? Selay Ghaffar, Vertreterin der afghanischen Zivilgesellschaft, die bei dieser Konferenz erstmals Rederecht hatte, ist skeptisch. “Die politische Lösung, die jetzt im Gespräch ist, bedroht vor allem die Frauen in Afghanistan”, so Ghaffar. “Es gilt, nicht nur Taliban oder Al Kaida zu bekämpfen.” In der gegenwärtigen Regierung gebe es Kräfte, die unvergessliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hätten und die auch Verbindungen zu den Terroristen hätten. Diese Kräfte gehörten vor Gericht.

Selay Ghaffar sitzt neben US-Außenministerin Hillary Clinton, (Foto: Pool/AP/dapd)Für Massouda Jalal, ehemalige Präsidentschaftskandidatin und Kontrahentin von Karsai, schreibt diese Bonner Konferenz sogar die Fehler der ersten Petersberg-Konferenz vor zehn Jahren fort: “Der Fehler der Konferenz von 2001 war, dass man die Mudschaheddin und Warlords aus dem Norden in die Macht einbezogen hat. Der Fehler der jetzigen Afghanistan-Konferenz ist, dass mit ihr extremistischen Gruppen wie den Taliban eine Machtperspektive eröffnet wird, die die Rechte der Frauen nicht respektieren.”

Hillary Clinton fordert freie Wahlen

US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte nach dem Abzug der internationalen Truppen bis 2014 ein Jahrzehnt der Transformation an, das auf zehn Jahre angesetzt sei. Und auch sie nahm Präsident Karsai in die Pflicht: “Wir fordern Präsident Karsai auf, beim nächsten Mal freie und demokratische Wahlen abzuhalten. In dem Fall werden wir für den weiteren Wiederaufbau entsprechende Mittel zur Verfügung stellen.”

Tatsächlich herrscht ein zähes Ringen zwischen Washington und Kabul. So sollen Einsparungen aus dem Truppen-Abzug der USA teilweise zur Unterstützung des weiteren Aufbaus nach Kabul fließen. Das Abkommen darüber zwischen Kabul und Washington lässt noch auf sich warten. Genaue Zusagen über weitere Finanzhilfen für Afghanistan soll es im Juli nächsten Jahres auf einer Konferenz in Tokio geben.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de