Ex-Soviet soldier considers himself a ‘proud Afghan’

Waslat Hasrat-Nazimi

Noor Mohammad is one of dozens of Soviet soldiers who went over to enemy lines in Afghanistan. Today, he has an Afghan wife and six children. He never wants to go back to Russia.

“I came to Afghanistan to fight, to serve my country as a soldier,” says Siberian-born Noor Mohammad. “I didn’t know my government was killing people here and that’s what my task would be.”

“Either you kill or you are killed. That’s what being a soldier means,” he says in Dari.

He explains, not without a touch of pride, that things were different then, back in the 1980s when he was still known as Sergei Yurevich Krasnoperov and the Soviet Union was a mighty world power.

Soviet troops entered Afghanistan in December 1979 to crush the uprising against the pro-communist government. They withdrew almost 10 years later. By then at least half a million Afghans had been killed as well as some 15,000 Russian soldiers.

Joining the enemy

During the war, thousands of Soviet troops deserted the invasion, and dozens, including Noor Mohammad, converted to Islam, changed their names and joined the mujahedeen.

“They took me in and I became part of their movement – jihad against the unbelievers,” he explains.

Although he did not fight on the front, he had plenty to do: “One person would make sure the tank was ready, another would fill it up with gas. I would load the munitions or take care of the provisions. All that was also part of the war.”

His new life was nothing like the one he had led in Kurgan in the West Siberian Plain. “I wasn’t religious before. We didn’t respect anything except for vodka and girls. My parents were Christian, but I was interested in other things. I was young,” he says with a laugh.

Refusing to go home

Today, he has an Afghan wife and six children. The mujahedeen made sure he married early so he would feel more connected to his adopted homeland.

Noor Mohammad His children go to school and look no different from their classmates. The only telltale sign that his daughter has a Russian background is that she rides a motorbike, he says.

Noor Mohammad’s desertion from the Soviet army made little economic sense. He earns some 5,000 afghanis (ca. 100 US dollars) from his repair shop and can just about keep his and his family’s head above water, but still he has no regrets.

“The Russian embassy wanted to bring me and my family back but we refused,” he says. Not even his mother was able to convince him to go home when she went there to get him in the 1990s.

“Russia is no longer the big world power that it was,” he explains. “People don’t have jobs and they’re going hungry.”

“I’ve gotten used to the people here and the country,” says Noor Mohammad. “My family would have problems in my old homeland but here even the Taliban accept and respect me the way I am.”

“I have an Afghan passport and I’m a proud Afghan.”

 

Abu Jamal from Ghor contributed to this article

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

 

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Ein russischer Afghane will nicht zurück

Waslat Hasrat-Nazimi

Noor Mohammad ist einer der früheren sowjetischen Soldaten, die in den achtziger Jahren als Überläufer eine neue Heimat bei den Mudschahidin gefunden haben. Heute fühlt er sich selbst von den Taliban anerkannt.

Eigentlich wollte er nur seinem Vaterland dienen und etwas Geld verdienen. Aber es kam ganz anders für Noor Mohammad, der als Sergej Jurjewitsch Krasnoperow im südwest-sibirischen Kurgan zur Welt kam. Heute lebt er in der Provinz Ghor im Westen Afghanistans. “Damals bin ich zum Kämpfen nach Afghanistan gekommen, um als Soldat meinem Land zu dienen. Ich wusste nicht, dass meine Regierung hier Menschen umbringt und dass das meine Aufgabe sein wird”, sagt er auf Dari. “Entweder du tötest oder du wirst getötet. So ist das als Soldat.”

Damals in den 80er Jahren herrschten noch andere Zeiten. Die Sowjetunion, so Noor Mohammad noch heute mit Stolz in der Stimme, das sei noch ein Russland gewesen, das eine Weltmacht darstellte. 1979 marschierte die sowjetische Armee in Afghanistan ein, um den Aufstand gegen die pro-kommunistische Regierung niederzuschlagen. Der Krieg kostete anderthalb Millionen Afghanen und 15.000 russischen Soldaten das Leben. Knapp zehn Jahre später zogen die letzten sowjetischen Soldaten über die Grenze nach Usbekistan ab.

Aufnahme bei den Mudschahidin

Während des Krieges hatten Tausende Soldaten den Glauben an den Sinn der sowjetischen Invasion verloren und waren desertiert. Und nicht nur das: Wie Noor Mohammad liefen Dutzende zu den Mudschahidin über und konvertierten zum Islam.

Noor Mohammad habe schon bald nach dem Einmarsch, so berichtet er, erkannt, dass der Krieg verloren war. Er desertiert und läuft zu den Feinden, den Mudschahidin, über. “Sie haben mich aufgenommen und mich zum Teil ihrer Bewegung gemacht, dem Dschihad gegen die Ungläubigen”, sagt er.

Noor Mohammad musste zwar nicht mehr an der Front kämpfen, aber es gab genug zu tun für ihn. Hauptsächlich war er für die Ausrüstung der Rebellen zuständig. “Einer hat den Tanklastwagen startklar gemacht, einer hat ihn vollgetankt. Ich habe die Munition geladen oder mich um die Verpflegung gekümmert. Auch das gehörte zum Krieg”. Noor Mohammad führte fortan ein neues Leben, anders als das, was er aus einer Heimat im Südwesten Sibiriens kannte. “Früher hatte ich keine Religion. Außer einer Flasche Wodka und den Mädchen haben wir nichts verehrt. Meine Eltern waren christlich. Aber ich war an anderen Dingen interessiert, ich war jung”, sagt er lachend.

Keine Sehnsucht nach Russland

Noor Mohammad arbeitet an einer Maschine (Foto: DW) Jetzt hat Noor Mohammad eine afghanische Frau und sechs Kinder. Die Mudschahidin sorgten dafür, dass er schnell heiratete, um ihn stärker an seine neue Heimat zu binden. Seine Kinder gehen zur Schule und unterscheiden sich äußerlich nicht von anderen Kindern. Außer, dass eine seiner Töchter Motorrad fährt, hätten sie kaum russische Eigenschaften, sagt er.

Wirtschaftlich hat sich die Flucht für Noor Mohammad nicht unbedingt gelohnt. Er besitzt eine Werkstatt, was ihm etwa 5.000 Afghani, umgerechnet 75 Euro im Monat einbringt. Damit kann sich die Familie so gerade über Wasser halten. Aber zurück nach Russland will er nicht. “Die russische Botschaft hat mich und meine Familie auch einmal zurückbringen wollen, aber wir haben abgelehnt”. Sogar seine Mutter sei in den 90er Jahren gekommen, um ihn nach Russland zu holen, aber dort sieht er keine Perspektive. “Russland ist nicht mehr die große Weltmacht, die sie einmal war. Die Menschen haben keine Arbeit und hungern”, so die nüchterne Sicht auf seine frühere Heimat.

“Ich habe mich an das Land und die Menschen hier gewöhnt. Mit meiner afghanischen Familie hätte ich in meiner alten Heimat Probleme”, so Noor Mohammad. “Hier akzeptieren und schätzen mich sogar die Taliban, so wie ich bin”, sagt der frühere Sergej Jurjewitsch Krasnoperow und stellt klar: “Ich habe einen afghanischen Pass und bin stolzer Afghane.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Mehr Frauen wollen ans Steuer

Waslat Hasrat-Nazimi

In der konservativen afghanischen Provinz Ghor haben Frauen das Autofahren für sich entdeckt – zum Entsetzen der Männer. Die Zahl der “mobilen” Frauen in Afghanistan steigt.

Es ist jetzt ein Jahr her, seit Angela Sharifi gelernt hat, Auto zu fahren. “Endlich kann ich selbstständig meine Besorgungen erledigen”, sagt sie zufrieden. In ihrem grauen Toyota Corolla würde Angela in anderen Ländern nicht auffallen, aber in Afghanistan ist der Anblick einer Frau am Steuer immer noch ungewöhnlich. Viele Männer reagieren fassungslos, wenn sie vorbei fahre, so die 40-Jährige: “Oft sieht man wie sie mit offenem Mund an der Straße stehen, sie können sich vor Erstaunen nicht mehr rühren, als hätten sie einen Geist gesehen. Einige meinen sogar, das sei ein Zeichen für einen bevorstehenden Weltuntergang.” Zum Glück würden die Männer sie aber nur anstarren und wenigstens nicht belästigen oder beleidigen, sagt sie und fügt mit dankbarem Ton hinzu, dass ihr Ehemann sie bei den Fahrstunden unterstützt hat.

Männerdominierte Gesellschaft

Angela ist Provinzratsabgeordnete in der zentralafghanischen Provinz Ghor. Sie vertritt die Frauen in ihrer Provinz und weiß, wie man sich in der männerdominierten Gesellschaft durchsetzt. Heute kann sie auch ohne männliche Begleitung zur Arbeit oder zu Provinzversammlungen fahren und ist nicht mehr, wie früher, auf einen Fahrer angewiesen.

Die Gesellschaft der Provinzstadt ist noch besonders stark von der traditionellen Verteilung der Geschlechterrollen geprägt. Männer beherrschen die Öffentlichkeit, Frauen sieht man selten auf den Straßen. Taliban schotten die Provinz weitgehend vom Rest des Landes ab.Die Sicherheitslage ist schlecht, es fehlt an Rechtsstaatlichkeit. Selbst afghanische Männer wagen sich nur selten in die unruhige Gegend.

Zwei Kilometer Asphaltstraße

Eine afghanische Frau schaut unter die offene Motorhaube eines Autos (Foto: DW/Abu Jamal) Für die Frauen der Region ist Angela Sharifi daher ein Vorbild für Mut und Durchsetzungskraft. Viele wollen nun auch das Fahren erlernen, weiß die Provinzratsabgeordnete.

Allerdings gibt es bisher nur weniger als zwei Kilometer asphaltierte Straßen in Chaghcharan. In ganz Afghanistan sind es rund 12.000 Kilometer. Sayed Mohammad Hasin Khan, Vorsitzender der Verkehrsamts in Ghor hofft, dass in der Kleinstadt bis zum Herbst zwei weitere Kilometer asphaltiert werden. Dann sollen auch endlich Schilder und Wegweiser angebracht werden. Hasin Khan steht dem neuen Interesse der Frauen an mehr Mobilität positiv gegenüber. Er will Führerscheinprüfungen für Frauen wie für Männer einführen: “Sie sollen für beide Geschlechter gleich sein und keine Unterschiede machen”, betont er.

Soziale Revolution

Eine Frau fährt auf einer Straße in Afghanistans Provinz Ghor (Foto:DW/Abu Jamal) “Absolut unangemessen”- viele Männer mauern

Doch der Verkehrsbeamte ist eine Ausnahme. Der Widerstand gegen Auto fahrende Frauen in der Provinz Ghor ist groß. Viele halten dieses neue Phänomen für absolut unangemessen. Aql Sharif, verantwortlich für den Schutz und die Entwicklung von Frauenrechte bei der Menschenrechtskommission der Provinz Ghor erkennt dennoch einen Fortschritt: “Nach langer Zeit haben einige afghanische Frauen wieder Selbstbewusstsein geschöpft. Das letzte Jahrzehnt hat eine positive Entwicklung gebracht, die für unsere Gesellschaft und die Frauen in unserem Land von Vorteil ist – sogar in Provinzen wie Ghor, wo Frauen traditionell weniger Rechte haben.”

In einem Punkt sind sich Gegner und Befürworter einig: Bis sich die Gesellschaft Ghors an Frauen am Steuer gewöhnt hat, werden diese eine Kuriosität bleiben – als Vorboten der Apokalypse oder als Revolutionärinnen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Women behind the wheel – the ‘beginning of the end’

Waslat Hasrat-Nazimi

In Ghor, Afghanistan, more and more women have decided to get behind the wheel – a trend not welcomed by all in the traditional province.

Angela Sharifi started learning to drive a year ago. She says she is quite good now and has much more clutch control.

“It is much easier than you think it is in the beginning,” she says with a smile. In other countries, a woman sitting behind the wheel of a gray Toyota Corolla might not be an unusual sight. But in Afghanistan, Angela is a rarity.

“You see the men standing around on the streets, staring with open mouths. They are so surprised all they can do is stand there and watch,” she says. “They look as though they’ve seen a ghost. Some men even say it is a sign the end of times are coming,” she says laughing.

Angela is a member of the provincial council in Ghor. She knows how to assert herself in a male-dominated society. Luckily, it is not only the men who stare at her, and at least they don’t bother or insult her, she says. She adds that her husband helped and supported her while learning to drive.

Equal testing

Chaghcharan, the capital of the Ghor province, is not a very developed town. It is very traditional and it has less than two kilometers (1.2 miles) of paved streets. The country has a total of about 12,350 kilometers of paved roads. There are no street signs along the way.

Sayed Mohammad Hasin Khan, head of Ghor’s driver and vehicle licensing agency, says that two more kilometers of road are going to be paved by autumn. In addition to that, signs will also be put up.

Hasin Khan believes the region will eventually have a developed infrastructure for cars. Traffic laws will then be learned and tested in a theoretical and practical examination.

“The driver license test will be the same for men and women – they will be treated equally,” he emphasizes.

Social revolution

An Afghan woman sits in the driver's seat Photo: DW/Abu Jamal Nonetheless, spotting women behind the wheel is still a new phenomenon in the province of Ghor. Some people see it as the beginning of the end, and others think it is a sign of creeping Westernization, points out Dr. Aql Sharifi. He is responsible for the protection and development of women’s rights of the Human Rights Commission in Ghor.

“After a long time, Afghan women are developing a new identity. The last decade has brought positive developments that have brought advantages to society in general and to women, even in our province.”

He says an increasing number of female students have licenses and even their own cars.

Opponents and advocates of the phenomenon do agree on one thing: women driving cars in Ghor – whether they are seen as bad omens or as revolutionaries – will continue to be an oddity for a while yet.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de