Frame by Frame Screening: „Vergesst Afghanistan nicht“

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Diskutierten in Berlin (v.l.): Reza Shirmohammadi, Waslat Hasrat-Nazimi und Fourough Hosseinpour

Wie können Fotojournalisten in einem Land arbeiten, in dem sie ständiger Gefahr ausgesetzt sind? Was bedeutet der geplante Truppenabzug für die Medienlandschaft in Afghanistan? Rund 150 Gäste waren am Samstag, 5. Dezember, in Berlin einer Einladung der DW zu einem Filmabend mit anschließender Diskussion zum Thema „Afghanische Medien unter Druck“ gefolgt. Continue reading

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Frame by Frame Screening

„Frame by Frame“ – Afghanische Medien unter Druck

Die Deutsche Welle präsentiert Film und Diskussion

Terror, Gewalt, Repressionen: Wer als Fotojournalist in Afghanistan arbeitet, riskiert täglich sein Leben. Was bewegt Afghanen diesen Beruf zu ergreifen? Mit welchen Gefahren werden sie täglich konfrontiert? Das beleuchtet eindrucksvoll der preisgekrönte Dokumentarfilm „Frame by Frame“, heißer Anwärter für einen Oscar. Die Regisseurinnen Alexandria Bombach und Mo Scarpelli begleiten vier Fotojournalisten, unter anderem den Pulitzerpreisträger Massoud Hossaini.

Die Deutsche Welle lädt Sie herzlich ein zu Filmvorführung und Gespräch.

Gespräch:
Reza Shirmohammadi, Afghanischer Fotojournalist
Forough Hosseinpour, Medientrainerin DW Akademie

Moderation:
Waslat Hasrat-Nazimi, Deutsche Welle, Dari-/Paschtu-Redaktion

5. Dezember 2015   17 Uhr
hackesche höfe kino
Rosenthaler Straße 40-41
10178 Berlin

TICKETS HIER

DW journalist threatened by the Taliban and police

The war-torn country is one of the most dangerous places to be a journalist, as the death of German reporter Anja Niedringhaus in east Afghanistan showed. A DW correspondent describes his difficulties in the region.

Zerak Zaheen, DW-Korrespondent in Afghanistan

Zerak Zaheen knows the region like the back of his hand. For him, the Kunar province, in the east of Afghanistan, is like home. But every time he goes off to work as a reporter, he risks danger. In Kunar, violent fighting with the Taliban is a common occurrence.

Despite the threat, one morning at the beginning of this month, the 23-year-old DW journalist left for work as he does every day. This time he was reporting on the construction of a new express highway. He visited the site and conducted his interviews quickly. After taking a couple of photos he was on his way back home to write the report. Continue reading

DW-Journalist von Taliban und Polizei bedroht

Journalisten in Afghanistan leben gefährlich, wie nicht zuletzt der Tod der deutschen Anja Niedringhaus in Ostafghanistan gezeigt hat. Nun ist ein DW-Korrespondent zwischen die Fronten geraten.

Zerak Zaheen, DW-Korrespondent in Afghanistan (Foto: DW)

Zerak Zaheen kennt die Gegend wie seine Westentasche. Schließlich ist er in der Provinz Kunar im Osten Afghanistans zuhause. Jedes Mal wenn er sein Heim verlässt, um seiner Arbeit als Journalist nachzugehen, begibt er sich in Gefahr. In Kunar sind Kämpfe mit den Taliban nichts Ungewöhnliches.

Trotzdem ging der 23-jährige DW-Mitarbeiter Anfang August wie jeden Tag los, um zu berichten. Dieses Mal über den Bau einer neuen Schnellstraße. Die Baustelle war bald besichtigt, die Interviews waren schnell geführt. Noch ein paar Fotos und dann zurück nach Hause, um den Beitrag zu schreiben. Continue reading

Afghanistan: Journalisten im Kreuzfeuer

Der Mord an einem Journalisten in Helmand zeigt, wie sehr sich die Situation für die Medien im Land in den vergangenen Monaten verschlechtert hat. Die Regierung verfolgt Übergriffe auf Journalisten nur halbherzig.

Als Noor Ahmad Noori morgens aus dem Haus ging, ahnte wohl niemand aus seiner Familie, dass er nicht mehr wiederkehren würde. Am Donnerstagabend (23.1.2014) fand man seine verbrannte und verstümmelte Leiche in einem Plastiksack. Der afghanische Journalist, der für die New York Times als Korrespondent tätig war, war sich der Gefahr, der er sich aussetzte, immer bewusst gewesen. Dennoch hatte sich der 28-Jährige in der Hauptstadt Lashkar Gah in der südafghanischen Provinz Helmand sicher gefühlt. “Besonders schockierend ist, dass der Mord mitten in der Stadt geschah und nicht außerhalb”, erklärt der Gouverneur Mohammad Naeem im Interview mit dem DW-Korrespondenten Mohammad Mojtaba. Die Provinz Helmand gilt als die am meisten umkämpfte Provinz des Landes. Hier ist der Machteinfluss der aufständischen Taliban besonders groß. “Es ist eine Katastrophe für unsere Provinz und speziell für die Journalisten, die hier arbeiten. Ich bin sehr betroffen und habe bereits den Geheimdienst beauftragt, die Mörder ausfindig zu machen“, so der Gouverneur. Continue reading

‘Threats make me stronger’: Najiba Ayubi

Afghan journalist Najiba Ayubi is concerned about the future of independent media in Afghanistan. Recipient of the 2013 Courage in Journalism Award, Ayubi has been relentlessly fighting for a free press in her country.

Najiba Ayubi is an Afghan journalist and media activist. The 45-year-old is the director of Radio Killid in Kabul and has recently received the 2013 Courage in Journalism award by the International Women’s Media Foundation (IWMF). For more than two decades, Ayubi has been a leading independent voice in Afghan media. She has received death threats from both politicians and terrorists for her critical reporting. In an interview with DW, Ayubi talks about the Afghan media under the Taliban rule, and what keeps her going as a journalist and activist.

You and two other female journalists from Syria and Cambodia received this prize. What does this award mean for you personally and for journalists in Afghanistan?

Najiba Ayubi: The award is important for all Afghan journalists. In my ten years of journalistic activism, I have faced a lot of difficulties. Being a woman journalist in a male-dominated society makes things even more challenging. My colleagues and I continuously receive direct and indirect threats, and we have to deal with many problems at the workplace. This award has made me and other Afghan journalists happy, and it will encourage us to continue our work. Continue reading

Najiba Ayubi: “Ermutigung für Journalistinnen”

Die afghanische Journalistin Najiba Ayubi hat den diesjährigen “Courage in Journalism”-Preis der International Women’s Media Foundation erhalten. Sie sieht mit gemischten Gefühlen in die Zeit nach 2014.

Deutsche Welle: Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie als afghanische Journalistin?

Najiba Ayubi: In den vergangenen zehn Jahren hatte ich in meinem Beruf in Afghanistan mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Vor allem als Journalistin in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Wir müssen alltäglich mit Drohbriefen und anderen direkten und indirekten Drohungen leben. Insofern bedeutet dieser Preis für mich und andere Journalistinnen eine wichtige Anerkennung und Ermutigung.

Wie ist die Situation für Journalistinnen heutzutage im Vergleich zur Taliban-Herrschaft?

Die Taliban hatten Frauen aus der Öffentlichkeit und den Medien verbannt. Jetzt arbeiten rund 1.500 Frauen in den Medien in Afghanistan, 13 Medienorganisationen werden von Frauen geleitet. Das sind beachtliche Erfolge, aber sie reichen noch nicht aus. Gerade in einem Land wie Afghanistan werden Journalistinnen benötigt, die ihre Stimme bei der Regierung und auch international zu Gehör bringen. Continue reading

Afghanistans Journalisten unter Druck

Seit dem Sturz der Taliban 2001 erlebt Afghanistan einen Boom im Mediensektor. Doch Gewalt gegen Journalisten und der bevorstehende Abzug der internationalen Truppen bedrohen die neue Freiheit.

Die heutige Medienlandschaft Afghanistans ist in der Geschichte des Landes ohne Beispiel: Die Menschen erhalten Informationen von 200 Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, 44 Fernsehsendern, 140 Radiosendern und acht Nachrichtenagenturen. Während der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 hatte es neben “Radio Scharia” keine weiteren Medien im Land gegeben. Seit dem Sturz der Gotteskrieger ist die Medienlandschaft aufgeblüht – nicht zuletzt durch die schützende Präsenz und die finanzielle Unterstützung westlicher Staaten. Doch nun ist sie wieder in Gefahr.

Taliban-Angriffe nehmen zu

Erst kürzlich schossen Unbekannte in der westlichen Stadt Herat auf einen Journalisten. Ali Asghar Yacubi war gerade in seinem Auto unterwegs, als zwei vermummte Männer ihn auf einem Motorrad verfolgten und das Feuer eröffneten. Yacubi, der für ein lokales Radio in Herat arbeitet, wurde ins Krankenhaus gebracht. Er überlebte den Schuss in die Brust.

Die Gewalt gegen afghanische Journalisten habe extrem zugenommen, beklagen Medienmacher. Urheber seien hauptsächlich die Taliban, die immer  wieder afghanische Journalisten, vor allem Frauen, angreifen. Die Aufständischen kritisieren “unislamische” Inhalte, also eine Berichterstattung, die ihrer islamistischen Ideologie zuwider läuft. Journalisten werfen der Regierung und den Behörden vor, solchen Verletzungen der Pressefreiheit in Afghanistan tatenlos zuzuschauen. Auch im Fall Yacubi habe sich die Polizei nicht um eine Verfolgung der Täter gekümmert. Continue reading