Appropriation of Sufi poet Rumi sparks outrage in Afghanistan

Where is Rumi from? Should his character be played by Leonardo di Caprio? These are the questions currently preoccupying Afghans and Iranians alike. Now even the Afghan government has waged into the debate.

Mawlana Jalaluddin Muhammad Rumi

Everyone knows him. Everyone has heard his poems and it is very likely that they know a few by heart. Jalal al-Din Mohammad Balkhi, also known as Rumi, is one of the most famous poets and Sufi mystics in Persian-speaking countries like Afghanistan, Iran, Tajikistan and Azerbaijan.

But the 13th-century poet is currently a source of heated debates. Continue reading

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Anschlag in Kabul: “Regierung im Visier der Taliban”

Für die Taliban in Afghanistan hat der Kampf gegen die Regierung Priorität – auch wenn dabei Zivilisten sterben. Das zeigt der jüngste Anschlag. Die DW sprach mit Alexey Yusupov, Leiter der FES-Stiftung in Kabul.

Afghanische Sicherheitskräfte in der Nähe des Verteidigungsministeriums nach dem Anschlag (Foto: picture-alliance/dpa/H. Amid)

Deutsche Welle: Wie haben Sie den Anschlag erlebt?

Das war heute Morgen, kurz nach acht Uhr, der definitiv größte und verheerendste Anschlag in der Hauptstadt seit August letzten Jahres, als eine Lkw-Bombe im Wohnviertel Shah Shaheed explodierte. Mit mehr als 300 Verletzten war es vielleicht sogar der größte Anschlag in der Hauptstadt insgesamt in den vergangenen 15 Jahren, wenn sich die Opferzahlen bestätigen. Continue reading

Rückkehrer wagen Neuanfang in Afghanistan

Vom ersten Flug afghanischer Rückkehrer nach Kabul soll Signalwirkung ausgehen: Weniger Afghanen sollen auf die Flucht nach Europa setzen, weitere freiwillig Deutschland verlassen.

Afghanische Flüchtlinge werden auf dem Kabuler Flughafen begrüßt (Foto: DW)

Es war ein freudiges Wiedersehen am Flughafen in Kabul. Eine Chartermaschine hatte 135 Afghaninnen und Afghanen aus Deutschland zurück nach Kabul gebracht. Enttäuscht und desillusioniert von ihrem kurzen Aufenthalt auf deutschem Boden, wollen viele afghanische Flüchtlinge wieder zurück nach Hause. Sharif Ahmad ist einer von ihnen. Der 25jährige kehrte nach sechs Monaten zurück. “In Deutschland werden nur syrische Flüchtlinge gut behandelt. Wir haben keine Möglichkeit gehabt, eine Ausbildung zu bekommen oder uns frei zu bewegen”, sagte er gegenüber der DW in Kabul. Nun will er zurück in seine Heimatprovinz Herat und sich dort eine neue Existenz aufbauen. Continue reading

Kabul wants to negotiate with the Taliban

The Afghan government has been seeking talks with the Taliban to come to a so-called ‘political solution.’ But the Taliban have denied taking part in any negotiations. Observers say it is due to pressure from Pakistan.  

Shakib Mustaghni, Sprecher des afghanischen Außenministers Copyright: DW/Hussain Sirat  Kabul

While NATO troops get ready to withdraw from Afghanistan, reports of Kabul’s attempts to enter into negotiations with the Taliban are increasing. According to the Afghan government, a delegation of President Hamid Karzai’s High Peace Council traveled to Dubai (UAE) a few days ago to talk about a “political solution” to the conflict with former and current Taliban leaders. “It is an important and positive step for the peace process of the Islamic Republic of Afghanistan,” Ahmad Shakib Mustaghni [pictured above], an Afghan foreign ministry spokesman, told reporters in Kabul.

There have been attempts to negotiate with the Taliban since 2001, says Jochen Hippler, a political scientist at the University of Duisburg-Essen. Informal contacts have been made involving the US administration, Afghan government and the insurgents. In such talks, however, “it was never really clear who was talking to whom, and it was even less clear what came out of those talks,” Hippler told DW, adding that he was thus not very hopeful about such negotiations.

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Kabul und die Sicherheitslücken

Zwei Anschläge in Kabul innerhalb einer Woche: Die Taliban verbreiten Angst und Schrecken, die Menschen sind vor dem Truppenabzug besorgt.

Kefayatullah steht unter Schock. “Ich habe gesehen, wie die Täter in das Gebäude eingedrungen sind. Sie haben zwei Sicherheitsleute angeschossen und einer der Angreifer hat sich in die Luft gesprengt”, berichtet der junge Autowäscher. Am Montag (21.01.) hatten Taliban das schwer gesicherte Hauptgebäude der Verkehrspolizei in Kabul attackiert. Es war bereits der zweite Taliban-Angriff innerhalb einer Woche. Kefayatullah hat die Explosion hautnah miterlebt, er arbeitet ganz in der Nähe des Tatorts. Er habe sofort seinen Eimer fallengelassen, berichtet er. “Dann hat mich ein Soldat weggebracht. Ich habe dann auch meine kleinen Brüder in Sicherheit gebracht.”

Sinnlose, grausame Tat

Nach Augenzeugenberichten hatte ein Wagen vor dem dreistöckigen Gebäude gehalten und war dann explodiert. Anschließend waren fünf Angreifer in das Hauptquartier der Verkehrspolizei hineingestürmt. Nach Angaben von Mohammad Ayub Salangi, dem Polizeichef von Kabul, sind drei Verkehrspolizisten bei dem Anschlag ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt. Acht Zivilisten sind ebenfalls mit Verletzungen davongekommen. Mehr als acht Stunden lieferten sich die Angreifer Gefechte mit den Sicherheitskräften, bevor es diesen gelang, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Alle Täter wurden dabei getötet.

Von dem jüngsten Anschlag der Taliban sind vor allem die Bewohner Kabuls betroffen. Das Gebäude liegt zentral in der Hauptstadt, viele Geschäfte und Märkte sind dort ansässig. Auch Arbeiter Razeq war Zeuge des Angriffs. “Die Tat war grauenhaft und unmenschlich. Ein Mensch ist nicht in der Lage, so etwas zu tun”, sagt er. Und fügt hinzu: “Hier sind doch keine Ausländer, auf die die Taliban es abgesehen haben könnten. Alle Opfer sind von hier, alle sind Afghanen. Was bringt das?” Continue reading

Taliban und Kabul wollen NATO-Basen

Waslat Hasrat-Nazimi

Was wird aus den Hunderten von NATO-Stützpunkten in Afghanistan? Die meisten sollen abgerissen werden. Dagegen haben die Kabuler Regierung und die Taliban jetzt Widerspruch erhoben.

Die radikal-islamischen Taliban hatten ihren Anspruch auf die NATO-Militärstützpunkte im Land am vergangenen Freitag (27.07.2012) per Internet öffentlich gemacht. Zwar sei der Abzug der NATO positiv zu sehen, jedoch sei es irrational, dass die „”ausländischen Invasoren” dabei auch militärische Infrastruktur zerstörten. Es gehe schließlich um Bauten, die auf afghanischem Boden und teils auch mit afghanischem Geld errichtet worden seien. Deshalb hätten die Afghanen “ein Recht auf diese Anlagen.”

In diesem Punkt sind sich die Taliban und die afghanische Regierung ausnahmsweise einig. Die Regierung möchte die NATO-Basen für sich beanspruchen, so Regierungssprecher Siamak Herawi gegenüber DW.DE. “Wir fordern von der NATO und der internationalen Gemeinschaft, dass sie die Einrichtungen, die sie verlassen, unberührt lassen und an die afghanische Regierung übergeben, damit die Öffentlichkeit davon Gebrauch machen kann.”

ISAF um Kompromiss bemüht

Insgesamt gibt es etwa 600 Stützpunkte ganz unterschiedlicher Größe in Afghanistan. Einem Bericht der “Washington Post” zufolge hat eine US-Firma bereits einen Vertrag über 46,5 Millionen Euro erhalten, um das Abwracken der Anlagen zu organisieren. Die afghanische Regierung fordere aber, dass sich die NATO mit der afghanischen Regierung abspreche, ehe die Stützpunkte abgerissen werden, so Herawi.

Die ISAF jedoch bestreitet, dass bereits Entscheidungen ohne Zustimmung der afghanischen Regierung getroffen worden seien. ISAF-Sprecher General Günter Katz sagte in einem Interview mit DW.DE: “Es gibt eine Kommission, die zuständig ist für die Übergabe von Basen, und die wird geleitet vom afghanischen Finanzministerium. In dieser Kommission sitzen die afghanische Regierung und die ISAF und sie besprechen und verhandeln, welche Basen übergeben werden sollen. Die Ergebnisse werden dann von der ISAF umgesetzt.“

Die afghanische Regierung habe ein Dokument erstellt, in dem aufgelistet wird, was die Regierung an militärischer Ausrüstung benötigt und womit die afghanische Armee umgehen könne, so ISAF-Sprecher General Katz. Auf die Frage, ob in diesem Zusammenhang Waffen in die Hände der Taliban fallen könnten, sagte er: “Das wäre jetzt nur spekulativ und dazu möchte ich mich auch nicht äußern. Ich weiß nicht, was die Aussagen der Taliban begründet.”

Große Töne der Taliban

Die Forderung der Taliban, die NATO-Basen zu behalten, obwohl diese in erster Linie für den Kampf gegen sie selber genutzt wurden, sei lediglich propagandistischer Natur, so Ahmad Zia Raf’at, Professor an der Universität Kabul. “Die Taliban wollen den Afghanen vermitteln, sie wären um das Wohl des Landes besorgt. Dass die afghanische Regierung die Stützpunkte übernehmen würde, ist ihnen egal. Sie gehen davon aus, dass sie bald wieder die Herrschaft im Land übernehmen werden.”

Weder die Regierung noch die Taliban hätten die Finanzmittel, um die Stützpunkte zu unterhalten. Die Gebäude könnten die Taliban dennoch nutzen, so Rafat. So hätten sie während ihrer Herrschaft Stadien und Sportanlagen als Exekutionsorte genutzt. Dass nach 2014 ähnliche Verhältnisse herrschen könnten, hält der Politologe Raf’at für gut möglich. Er verweist im Übrigen auf die Erfahrungen nach dem Rückzug der sowjetischen Armee Ende der achtziger Jahre. Deren zurückgelassenes Militärgerät fand neue Verwendung im anschließend aufgeflammten Bürgerkrieg.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Die Buchverkäuferin von Kabul

Waslat Hasrat-Nazimi

Wenn die Leute nicht in Buchhandlungen gehen, bringt sie Bücher eben persönlich unters Volk: Buchverkäuferin Guljaan Jahanbeen will ihr Geschäftsmodell auch in anderen Teilen Afghanistans bekannt machen.

Von weitem sieht Guljaan aus wie ein Bücherberg auf zwei Beinen. In Shahr-e Now, dem Zentrum von Kabul, bietet sie einen ungewöhnlichen Anblick im Straßenbild. Guljaan verkauft Bücher. Mühsam trägt sie etwa 40 Bücher vor sich her. Afghanistan hat eine Analphabetenrate von etwa 80 Prozent, Käufer für Bücher zu finden, ist da nicht leicht. Andere Buchhändler säßen in ihren Läden, und die wenigen Leser müssen diese erst besuchen, sagt Guljaan. Sie selbst macht es anders. “Die Menschen sind zu beschäftigt, um Bücher zu kaufen. Deshalb will ich sie ihnen direkt vor die Nase halten. Ich arbeite seit zwölf Jahren als Buchverkäuferin. Ich habe in diesen Jahren oft Jobangebote bekommen – aber ich bin stolz auf meine Arbeit.”

Nachmittags Bücherrunde

Guljahan Jahanbeen mit älterem Leser (Foto: DW)Mit locker gebundenem schwarzen Kopftuch, Rucksack und Büchern in der Hand geht Guljaan von Geschäft zu Geschäft oder spricht Menschen auf der Straße an. Morgens macht sie den Haushalt, nachmittags, wenn die Kinder aus der Schule kommen, zieht sie los. Nur ein kleiner Prozentsatz der afghanischen Frauen geht täglich zur Arbeit. Für Guljaan begann alles, als sie mit ihrer Familie 2002 aus Pakistan, wohin sie geflohen waren, nach Kabul zurückkehrte.

“Ich hatte das Gefühl, ich müsse etwas für die Menschen tun. Es war sehr schwierig am Anfang, denn Frauen arbeiten fast gar nicht auf der Straße. Im Büro vielleicht, aber nicht auf der Straße”, erzählt sie. “Mein Mann hat mich aber ermutigt, er meinte, es sei gar kein Problem. Zu Anfang habe ich seine Bücher verkauft.”

Inzwischen gibt es Konkurrenz

Guljaans Mann war Schriftsteller, bis er erblindete. Seither muß Guljaan allein für ihre Familie sorgen. Neben den Büchern ihres Mannes verkauft sie hauptsächlich Gedichte und religiöse Literatur. Leider läsen nur wenige Leute, Frauen so gut wie gar nicht, erzählt sie. Trotzdem gibt es inzwischen etwa 13 weitere – überwiegend männliche – Buchverkäufer in Kabul. Vielen hat sie geholfen, in das Geschäft einzusteigen.

Und Guljaan will noch mehr tun: Sie hat den Ehrgeiz, jeden gewünschten Titel beschaffen zu können. Ihr Geschäftsmodell würde sie gern in andere Provinzen verbreiten, und Interessenten mit einem Grundstock an Büchern aushelfen.

Obwohl es nicht einfach für eine Frau ist, sich frei auf Kabuls Straßen zu bewegen, hatte sie in all den Jahren keine ernsthaften Probleme, berichtet Guljaan. “Die Menschen unterstützen mich, auch wenn sie kein Interesse an den Büchern haben. Sie nennen mich Mutter oder Schwester und beten für mich.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de