Afghans want US soldier to hang for massacre

To avoid the death penalty, a US soldier pleaded guilty to slaying 16 civilians, many of them women and children, in the Afghan province of Kandahar. However, survivors and victims’ relatives want Robert Bales executed.

The news about Bales reached the people of the Panjwai district of Kandahar just moments after the Staff Sergeant made his plea before a US military tribunal in Washington State. The inhabitants of the village, where Bales ran amok on March 11, 2012, have been closely monitoring every stage of the trial.

Prosecutors say Bales slipped away before dawn from his base in Kandahar Province. Armed with a pistol and a rifle he attacked neighboring villages and killed or wounded a total of 22 people. Most of the victims were women and children, and some of the bodies were burned. The incident sparked outrage in Afghanistan and among the international community and pushed the already strained US-Afghan ties to a new low.

Military Judge Colonel Jeffery Nance accepted Bales’ guilty pleas, and ruled that the 39-year-old would face a maximum of life behind bars without eligibility for parole. A jury will decide in August whether the soldier is sentenced to life with or without the possibility of parole. His lawyer, John Browne, told AFP he hoped his client would be released from jail after serving 10 years in prison. Continue reading

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Afghanen fordern Todesstrafe für US-Feldwebel

US-Feldwebel Robert Bales entgeht mit seinem Geständnis, 2012 in Afghanistan vorsätzlich 16 Menschen getötet zu haben, der Todesstrafe. Die Angehörigen der Opfer sind empört, sie fordern seine Hinrichtung.

Kurze Zeit nachdem Robert Bales am Mittwoch (05.06.2013) vor einem Militärgericht sein Geständnis abgibt, haben auch die Bewohner von Panjwai in Kandahar im Süden Afghanistans aus den Medien davon erfahren. Vor allem die betroffenen Familien der Opfer und Verletzten verfolgen jede Nachricht über den amerikanischen Feldwebel.

Bales wird vorgeworfen, in der Nacht des 11. März 2012 zwei Mal von einem US-Außenposten im Bezirk Panjwai in umliegende Dörfer aufgebrochen zu sein, wo er vorsätzlich insgesamt 22 Menschen, unter ihnen 17 Frauen und Kinder, tötete oder schwer verletzte. Mehrere Leichen soll Bales angezündet haben. Der Feldwebel gestand alle diese Taten. Er will mit seinem Geständnis der Todesstrafe entgehen. Die Verteidigung hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass Bales sich in allen Anklagepunkten wegen des Massakers schuldig bekennen werde. Im Gegenzug hatte die Staatsanwaltschaft zugesichert, keine Hinrichtung anzustreben. Als Höchststrafe legte der Richter nun lebenslange Haft ohne Chance auf Bewährung fest. Continue reading

Afghans await justice a year after Kandahar killings

Last year’s massacre in Kandahar by a US soldier is far from forgotten. The families of the victims continue to demand justice and observers fear there could be an uprising.

Samiullah cannot forget how the members of his family lay there in a pool of blood. The images continue to give him nightmares a year later. He has trouble sleeping at night. He will forever be haunted by the scene, he says.

“The first person I saw dead on the floor was my old mother. Then I saw my old uncle Nazar Mohammad Aka, with his long, white beard. My father was also dead as well as my cousin, Tora. She was precious.”

Samiullah takes a deep breath. “These four people are martyrs. Then I saw my small children – my son and daughter Suzanna and also my niece. All three were injured.”

He angrily counts the victims in his family. A total of seven.

Bloody night

In the dark of night on 11 March 2012, US Army Staff Sergeant Robert Bales killed 16 people in Panjwai in Kandahar. Among the victims were nine children and three women. He then allegedly burned some of the bodies.

The incident caused an outrage. Afghan President Hamid Karzai and the US government promised a quick investigation.

Bales has been charged with 16 counts of premeditated murder and six counts of assault and attempted murder. He is currently being held in a military prison in Kansas. He faces the death penalty if found guilty.

Horia Mosadiq of Amnesty International says in this case, as with all cases of civilian casualties, there should be “adequate and independent investigation and the responsible should be brought to justice without recourse to death penalty” and that compensation and reparation should be provided to the victims and their families. Continue reading

Wieder ein Karsai als “König” von Kandahar

Waslat Hasrat-Nazimi

Die Beerdigung des Halbbruders von Präsident Hamid Karsai hat nach islamischer Sitte einen Tag nach seiner Ermordung stattgefunden. Noch am gleichen Tag wurde ein neues Stammesoberhaupt bestimmt: sein Bruder.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai betet bei der Beerdigung seines Bruders (Foto: AP)Bereits zwei Stunden nach der Beerdigung des toten Halbbruders von Hamid Karsai wurde der neue “König” von Kandahar gekrönt: es ist ein weiterer Karsai-Bruder, Shah Wali Karsai.

Der ermordete Ahmad Wali Karsai hat als Oberhaupt des mächtigen und geachteten paschtunischen Popalzai-Stammes seine Macht im Süden etabliert und die Interessen von Präsident Karsai sowie der Amerikaner vertreten. Doch seit seinem Tod herrscht in Kandahar der Ausnahmezustand. Telefonleitungen sind lahmgelegt, Geschäfte bleiben geschlossen, die Menschen plagt die Unsicherheit. Umso wichtiger war es deshalb, dass schnell ein Nachfolger für Ahmad Wali Karsai ausgerufen werden sollte.

Krönung auf afghanisch
Eine Versammlung der Stammesältesten wurde einberufen. “Die Stammesältesten haben Präsident Karsai aufgefordert, seinen Bruder als Nachfolger einzusetzen”, berichtet Abdul Kahaliq Bala-Karsai, einer der Teilnehmer der Versammlung. Daraufhin habe Karsai erklärt, dass Ahmad Wali gut regiert hat und entschieden: “Sein Nachfolger Shah Wali soll seinen Platz einnehmen und damit das Stammesbündnis festigen. So kann er in Zukunft dem Land dienen.”

Um die Macht symbolisch zu übergeben, überreichten einige Stammesälteste Shah Wali Karsai den Turban des toten Bruders: Eine Krönung auf afghanisch. Viele hoffen nun, dass Shah Wali Karsai das neu entstandene Machtvakuum innerhalb des Stammes füllen kann.

Ahmad Wali Karzai im Kreise der Stammesältesten (Foto:AP)
Ahmad Wali Karzai im Kreise der Stammesältesten

Hohe Erwartungen

Der verstorbene Bruder war jedoch nicht nur Stammesoberhaupt, sondern auch Vorsitzender des Provinzialrats. Dieses Amt kann Shah Wali allerdings nicht einfach übernehmen, erklärt der politische Analyst Mohammad Akbar Wardak: “Es gehört nicht zu den Machtbefugnissen des Präsidenten, den Vorsitzenden des Provinzialrats zu ernennen. Die Mitglieder des Rates haben das Recht, einen ihrer Mitglieder als Kandidaten zu benennen und durch freie Wahl zu bestimmen. Wenn der Präsident das tut, ist das gegen das Gesetz.”

Die Tötung Ahmad Wali Karsais ist ein herber Rückschlag für Hamid Karsai. Ahmad Wali sah sich als “Brücke zwischen Volk und Regierung”. “Ob der andere Bruder ähnlich agieren und die auf ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann, ist die große Frage”, so Akbar Wardak. Sollte jedoch jemand anderes zum Vorsitzenden des Provinzialrates gewählt werden, droht eine Interessen-Kollision, befürchten viele Bewohner Kandahars.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Rückschlag für den Friedensprozess

Waslat Hasrat-Nazimi

Der Halbbruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ist in seinem Haus ermordet worden. Ein brisanter Mord, der Auswirkungen auf die Sicherheit des Landes haben könnte.

Präsident Karsai als Redner auf einer Versammlung (Foto: ap)

Der König ist tot. Ahmad Wali Karsai wurde von vielen der König von Kandahar genannt. In den letzten Jahren hat er sich zum mächtigsten Mann der südlichen Provinz Kandahar etabliert. Kein politisches Amt wurde ohne seinen Segen besetzt und kein größeres Geschäft ohne seine Zustimmung abgeschlossen. Seine guten Beziehungen zu den USA und der Beistand des Präsidenten gaben ihm genug Rückendeckung, um auch im restlichen Süden des Landes seinen Einfluss auszuüben.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai reagierte bedrückt auf den Tod seines Bruders: “Dass man in seinem eigenen Haus nicht sicher ist, ist für uns alle ein großes Leid. Wir hoffen, dass – so Gott will – die Sorgen der Menschen vergehen und dass in unserer Heimat Sicherheit herrscht und der Frieden und Wiederaufbau des Landes voran kommt. Und dass der Schmerz, den wir alle gleichermaßen tragen, uns nicht lange leiden lässt.”

Vertrauter Attentäter

Ein verhüllter Talib neben einem Tisch voller Waffen (Foto:picture alliance) Zwei weitere Anschläge hatte Ahmad Wali Karsai zuvor überlebt. Ein langjähriger Freund der Familie und gleichzeitig Angehöriger der Sicherheitskräfte tötete Karsai nun mit einem Kopfschuss. Während eines privaten Gesprächs waren beide ungestört. Sicherheitsleute von Ahmad Wali Karsai stürmten nach dem ersten Schuss ins Zimmer und erschossen den Attentäter daraufhin. Die Taliban haben die Verantwortung für die Ermordung Karsais übernommen. Wer tatsächlich hinter dem Tod Ahmad Wali Karsais steckt, ist weiterhin unklar.

Die Motive und Interessen für den Anschlag sieht Wahidullah Ghazykhyl vom politischen Forschungsinstitut in Kabul jedoch in der Zerschlagung des Friedensprozesses. Dies sei ein herber Rückschlag für die Bemühungen Karsais für den Frieden im Land. “Die Feinde Afghanistans wollen zeigen, dass sie in der Lage sind, den inneren Zirkel des Präsidenten zu zerschlagen. Das ist ein Zeichen, dass sie den Friedensprozess in Afghanistan schwächen und damit das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung mindern können.”

Schwächung der Sicherheitslage

Afghanische Polizisten haben in manchen Regionen die Kontrolle übernommen (Foto: DW)

Der Tod des einflussreichsten Mannes im Süden Afghanistans kommt zu einer Zeit, in der die Sicherheitslage des Landes schwierig ist. Die Amerikaner haben bereits mit dem Abzug ihrer Truppen begonnen. Die Verantwortung ist bereits teilweise an die Afghanen übergeben worden. Die Bevölkerung erwartet eine ungewisse Zukunft.

Die Ermordung Ahmad Wali Karsais wird Auswirkungen auf die Sicherheit in Afghanistan haben. “Die Sicherheit wird wahrscheinlich noch mehr angegriffen sein, vor allem in Kandahar”, sagt Puya, ein Student in Masar-i-Sharif. “Es ist eine unmoralische Tat, aber es wird die Position Hamid Karsais erschüttern. Der Präsident hat die Taliban aufgefordert als Brüder an dem Friedensprozess teilzunehmen. Jetzt haben sie seinen wahren Bruder umgebracht. Das wird ihm eine Lehre sein, die Taliban weiterhin an dem Wiederaufbau des Landes einzubinden.”

Der Tod des Bruders von Hamid Karsai ist für Puya eine Warnung: Afghanistan sei noch nicht am Ziel angekommen. Frieden und Sicherheit stehen noch in weiter Ferne. Für viele ein weiteres Indiz dafür, wie verwundbar der Staat noch ist.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de