Olympic medal helps unify torn Afghanistan

Waslat Hasrat-Nazimi

The Afghan taekwondo master Rohullah Nikpah won his second consecutive bronze medal at the Olympics. The country’s six athletes received a warm welcome home on Tuesday from cheering crowds.

Crowds went wild in Kabul’s Ghazi Stadium. Where once the Taliban used to carry out public executions, people cheered and waved flags to welcome home the country’s six athletes who participated in the 2012 London Olympics. They cheered loudest for Rohullah Nikpah, winner of the bronze medal in taekwondo.

“The best part for me is not the medal itself but the peace, unity and fraternity it has created among my fellow countrymen,” Nikpah said after returning home.

Hundreds of Afghans join the welcome ceremony as Afghanistan sportsmen and women return home from the London Olympics

Hundreds of people went to the stadium, especially children and young adults, to celebrate Rohullah Nikpah and the medal he brought back for Afghanistan. One group of about 50 boys dressed in taekwondo uniforms stood in the staduim holding placards and portraits of the athletes and of national symbols of Afghanistan.

Positive attention

One of the boys named Majed said, “I want to win a medal, too, and go abroad and represent my country in competition. It makes me so happy to see Afghanistan getting positive attention.”

Conidering the daily news, which is full of reports of attacks and killings, Nikpah’s bronze medal is like balm for the soul of Afghanistan.

The enthusiasm for the games was quite novelty this year. People throughout the entire country celebrated when they saw the taekwondo champion holding the Afghan flag in London. This year, posters and placards with the athletes’ pictures printed on them were hung up all over the country, contrary to the last Olympic Games, explained Afghan sports journalist Musadeq Parsa.

“The Beijing Olympics took place in 2008 without hardly anyone in Afghanistan noticing. No one expected Nikpah to win a medal. So this time, the suspence was all the greater – the people watched with great interest and showed their support for him.”

Unity through patriotism

He said it was apparent that the Afghan people’s enthusiasm for this year’s Olympic games and for their country’s athletes brought them closer together.

Tahmina Kohistani of Afghanistan competes in the Women's 100m Heats on Day 7 of the London 2012 Olympic Games
Promoting equal rights: Afghan athlete Tahmina Kohistani (right)

“One could say that the ethnic conflicts decreased by 90 percent during the games. The athletes received equal support from the Afghan people – no matter where in Afghanistan they were from or which ethnic group they belonged to. During the games there were no ethnic differences – there was just Afghanistan.”

Speaking for this is the fact that Rohullah Nikpah is an ethnic Hazara – a group of people which usually faces discrimination. While it was good that the London Games were helping Afghans to forget their prejudices, Parsa said the government was not doing enough to invest in the country’s sports infrastructure.

“Getting kids interested in sports is the government’s responsibility. They don’t allocate extra money for the training of competitive athletes. Foreign aid donors have also not given enough support for this important part of society.”

But at least Afghanistan is preparing to introduce a football league based on the European model. Medal winner Nikpah is sure that sports will play a pivitol role in the peace process of his country.

“I wanted the people of Afghanistan to be happy with my performance and to come together and enjoy the games. God willing, this kind of patriotism will grow day by day.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

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Afghanistan durch Olympia-Bronze vereint

Waslat Hasrat-Nazimi

Bronze als Balsam für die nationale Seele Afghanistans: Nach seinem Erfolg ist dem Taekwando-Kämpfer Rohullah Nikpah in Kabul ein großer Empfang bereitet worden. Ein seltener Moment nationaler Einheit.

Der afghanische Taekwondo-Meister Rohullah Nikpah hat zum zweiten Mal nacheinander bei olympischen Spielen eine Bronzemedaille errungen. Der gesamten sechsköpfigen Olympia-Mannschaft des Landes – darunter auch eine Läuferin – wurde am Dienstag (14.08.2012) ein Jubelempfang im Kabuler Ghazi-Stadion bereitet, also dort, wo zu Zeiten der Taliban-Herrschaft noch Exekutionen durchgeführt wurden. Rohullah Nikpah sagte bescheiden, das Schönste ist für ihn sei “nicht die Medaille, sondern das Erreichen von Frieden, Einheit und Brüderlichkeit zwischen meinen Landsleuten”.

Rohullah Nikpah zu Pferd beim Empfang in Kabul (Foto: Ahmad Masood-Afghan Eyes)
Großer Empfang für Rohullah Nikpah in Kabul

Junge Medaillenanwärter

Hunderte von Menschen waren gekommen, vor allem Kinder und Jugendliche, um Rohullah Nikpah und seine Medaille zu feiern. Rund 50 Jungen in Taekwondo-Anzügen standen in einer Reihe und reckten Plakate mit den Porträts der Sportler und mit nationalen Symbolen hoch. Majed dürfte für die meisten von ihnen sprechen, wenn er sagt, auch er wolle “eine Medaille gewinnen und ins Ausland gehen, um für meine Heimat zu kämpfen.”

Angesichts der täglichen Schreckensnachrichten ist Nikpahs zweite Bronzemedaille  Balsam für die nationale Seele Afghanistans. Im ganzen Land wurde gefeiert, als im Fernsehen übertragen wurde, wie der Taekwando-Kämpfer die Flagge Afghanistans in London hochhielt.  Überall seien Plakate mit dem Bild des Sportlers aufgehängt worden, erzählt der afghanische Sportjournalist Musadeq Parsa. “Die letzten olympischen Spiele in Bejing 2008 sind an den Afghanen völlig vorbeigegangen”, so Parsa. Keiner habe erwartet, dass Nikpah eine Bronzemedaille gewinnt. Das sei diesmal anders gewesen, die Menschen hätten mitgefiebert.

Rohullah Nikpah beim Taekwondo-Kampf in London (Foto: AP)
Rohullah Nikpah in Aktion bei den Olympischen Spielen in London
Zusammengehörigkeitsgefühl
Aus seiner Erfahrung hat die Begeisterung über die Olympiateilnahme ihrer Athleten die Nation – zumindest für diesen Moment – zusammengeschweißt. Man habe spüren können, dass alle Konflikte und Rivalitäten praktisch zum Stillstand gekommen seien. “Alle Athleten wurden gleichermaßen von den Afghanen unterstützt, es war irrelevant, aus welchem Teil Afghanistans sie kamen oder welchem Volk sie angehörten.” Das ist umso bemerkenswerter, als Rohullah Nikpah zur in Afghanistan traditionell diskriminierten Volksgruppe der Hazara gehört.

Zu wenig Förderung

Der Journalist Parsa kritisiert gleichzeitig die afghanische Regierung für die geringe Unterstützung des Sports im Lande. “Es wäre die Aufgabe der Regierung, die Jugend für den Sport zu begeistern. Es gibt auch keinen Finanztopf für die Förderung von Leistungssportlern. Auch die ausländischen Geber haben diesen wichtigen gesellschaftlichen Bereich nicht ausreichend unterstützt.”

Immerhin ist eine nationale afghanische Fußballliga nach europäischem Vorbild in Vorbereitung. Medaillengewinner Nikpah jedenfalls ist zuversichtlich, dass der Sport bei der Befriedung seines Landes eine zunehmend wichtige Rolle spielen werde. “Es war mein Wunsch, dass meine Landsleute glücklich mit meiner Leistung sind und Gemeinschaftsgefühl empfinden. So Gott will, wird dieser Nationalgedanke jeden Tag größer werden.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Tahmina Kohistani – Einzige afghanische Sportlerin bei Olympia

Waslat Hasrat-Nazimi

Tahmina Kohistani ist eine der ersten Olympiateilnehmerinnen für Afghanistan. Trotz schlechter Vorbedingungen und Ablehnung in ihrer Heimat gilt für sie bei den Olympischen Spielen die Devise: Dabei sein ist alles.

Im Stadion gibt Tahmina Kohistani ein ungewöhnliches Bild ab. Anders als andere Läuferinnen trägt die 22-Jährige kein bauchfreies Sport-Bustier und kurze Hosen. Im Gegenteil. Vollkommen bedeckt, mit einem Kopftuch und langärmligem Sweater stellt sie sich bei Wettbewerben neben den anderen Sportlerinnen auf. Ihre Chancen im 100-Meter-Lauf stehen jedoch bei weitem nicht so gut wie die ihrer Kolleginnen. Dennoch ist Tahmina überaus zufrieden: “Für mich ist es viel wichtiger, dass ich an den olympischen Spielen teilnehme – für mich, für mein Volk und meine Heimat. Das ist für mich schon eine Goldmedaille wert”, sagt sie.

Gesellschaftliche Ächtung

Tahmina ist die einzige Frau, die ihre Heimat dieses Jahr bei den Olympischen Spielen in London vertreten darf. Seit fast acht Jahren trainiert sie als Läuferin. Für die Sommerspiele hat sie vor sechs Monaten begonnen, im Kabuler Ghazi-Stadion zu trainieren. Kein leichtes Unterfangen – die technischen Möglichkeiten in Afghanistan sind eingeschränkt.

Die schlechte Sicherheitslage und gesellschaftliche Restriktionen machten es fast unmöglich, als Sportlerin zu trainieren, so Tahmina: “Wenn ich morgens zum Training ins Stadion fahre, müssen mich drei weitere Autos zum Schutz begleiten. Viele Menschen haben mich beleidigt wegen des Wegs, den ich eingeschlagen habe”, sagt sie etwas trotzig. Tahminas Trainer Karim ist der Meinung, dass sie das sportliche Talent habe. “Wenn sie nur bessere Trainingsbedingungen hätte, könnte sie auch Gold gewinnen.”

Afghanische Delegation bei den Olympischen Spielen in London (Foto: NOC Afghanistan)
Tahmina Kohistani (l.) ist die einzige Olympiateilnehmerin für Afghanistan

Rückendeckung aus der Familie

Aber Tahmina gibt nicht ihren Mitmenschen in Afghanistan die Schuld an den Problemen. Das Land sei gerade erst im Wiederaufbau. Es brauche viel Zeit, um sich wieder an moderne Verhältnisse zu gewöhnen. Ihre Familie sei zum Glück ganz anders, so Tahmina. “Mein Vater hat mir ständig gesagt, dass meine Entscheidung richtig war”, sagt sie. “Ich soll den Menschen beweisen, dass ich nichts Falsches mache.” Tahminas Vater ermutigte sie, ein Vorbild für andere Frauen in Afghanistan zu sein, erzählt sie stolz. “Er sagte, alle Frauen sollen sagen, ich möchte so sein wie Tahmina.”

Sport für eine bessere Zukunft

 Zur Zeit studiert Tahmina an der Universität Kabul Sport auf Lehramt. Sie schreibt gerne Gedichte, erzählt sie schüchtern. Aber die meisten davon zerreiße sie wieder, weil sie sie für unbedeutend halte. Ihre Gedichte handeln von Ungerechtigkeit und anderen gesellschaftlichen Themen. Sie wirbt für mehr Akzeptanz und Toleranz. “Früher war es mein größter Wunsch, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Ich habe acht Jahre dafür gearbeitet. Nun möchte ich, dass unser Land den Frauensport akzeptiert und unterstützt.”

Wenn sie nach den Olympischen Spielen zurück nach Kabul geht, möchte Tahmina eine Sportakademie für Frauen gründen, nicht nur um sportliche Wettkämpfe zu gewinnen, sondern auch, um etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu tun. Aber erst einmal möchte Tahmina in London sportlichen Erfolg haben. Ihre Erfahrungen sollen viele weitere afghanische Mädchen motivieren, den Sport für sich zu entdecken. Das, sagt sie, sei die wertvollste Olympia-Medaille für sie und das Land.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Afghan Olympic female athlete wants more than a medal

Waslat Hasrat-Nazimi

Tahmina Kohistani is the only female Afghan competing in this year’s summer Olympics in London. She’s not so interested in winning gold than in inspiring Afghan girls to take up sport.

Tahmina Kohistani strikes an unusual appearance in the stadium. As opposed to her fellow female runners, she is not wearing a sports bra or shorts. The 22-year-old is covered from head to toe, with a headscarf and a long-sleeved sweater. Although her chances of winning the 100-meter sprint are lower than those of her competitors, she is very glad to be in London. “What’s important for me is to take part in the Olympic Games – for me, my people and my homeland.”

Insulted for choosing sport

Tahmina is the only woman allowed to represent her country in London this year. She has been running and dreaming of taking part in the Olympic Games for eight years already. Her intensive training for the summer games started six months ago at Kabul’s Ghazi stadium but technical restrictions have made it tough. Karim, her trainer, says that she could “win gold if she had better training conditions.”

She has also not had an easy time of it because of the poor security situation and social restrictions. “Three cars have to protect me when I go to the stadium in the mornings,” she told DW. “Many people have insulted me because of the path I’ve chosen to take.”

Tahmina refuses to judge her fellow Afghans, however. She understands that the country is going through a phase of reconstruction and that people need time to get used to more modern conditions.

But she is glad she has been lucky with her family. “My father has always said I made the right decision and that I should prove to people I have done nothing wrong. Every woman should say ‘I want to be like Tahmina,’ he says.”

Determined to support female athletes

Apart from training, Tahmina is also studying to be a sports teacher at Kabul University. In her spare time, she writes poems about injustice and other social issues, calling for more acceptance and tolerance but she usually tears them up.

“Before, my greatest desire was to take part in the Olympic Games. I worked eight years for this. Now, I want my country to accept and support women doing sport.”

That’s why she wants to open a sports academy for women when she goes back to Kabul. Not only so that women can win competitions but also for their health and general well-being.

Before this she has one task to fulfill in London – she wants to inspire young Afghan girls and women to take up sport. This would be worth much more than a gold medal for her and her country, she says.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de