@dwnews – Social media reacts to possible prosecution of German comedian

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Medien in Afghanistan unter Druck

Bei einem Anschlag auf den größten afghanischen TV-Sender kamen sieben Mitarbeiter ums Leben. Viele wurden verletzt. Afghanische Journalisten fordern jetzt ein Umdenken in der Berichterstattung.

Polizist in Kabul vor dem abgesperrten Anschlagsort (Reuters/A. Masood)

“Wir stehen an der Seite der Afghanen und der Medien, um die Opfer zu ehren, die alles dafür getan haben, damit wir frei sprechen können”, twitterte Saad Mohseni. Mohseni ist Direktor der der größten afghanischen Mediengruppe MOBY zu der auch der Fernsehsender ToloTV gehört, dem der Anschlag galt. ToloTV ist ein Partnersender der Deutschen Welle. Continue reading

DW journalist threatened by the Taliban and police

The war-torn country is one of the most dangerous places to be a journalist, as the death of German reporter Anja Niedringhaus in east Afghanistan showed. A DW correspondent describes his difficulties in the region.

Zerak Zaheen, DW-Korrespondent in Afghanistan

Zerak Zaheen knows the region like the back of his hand. For him, the Kunar province, in the east of Afghanistan, is like home. But every time he goes off to work as a reporter, he risks danger. In Kunar, violent fighting with the Taliban is a common occurrence.

Despite the threat, one morning at the beginning of this month, the 23-year-old DW journalist left for work as he does every day. This time he was reporting on the construction of a new express highway. He visited the site and conducted his interviews quickly. After taking a couple of photos he was on his way back home to write the report. Continue reading

DW-Journalist von Taliban und Polizei bedroht

Journalisten in Afghanistan leben gefährlich, wie nicht zuletzt der Tod der deutschen Anja Niedringhaus in Ostafghanistan gezeigt hat. Nun ist ein DW-Korrespondent zwischen die Fronten geraten.

Zerak Zaheen, DW-Korrespondent in Afghanistan (Foto: DW)

Zerak Zaheen kennt die Gegend wie seine Westentasche. Schließlich ist er in der Provinz Kunar im Osten Afghanistans zuhause. Jedes Mal wenn er sein Heim verlässt, um seiner Arbeit als Journalist nachzugehen, begibt er sich in Gefahr. In Kunar sind Kämpfe mit den Taliban nichts Ungewöhnliches.

Trotzdem ging der 23-jährige DW-Mitarbeiter Anfang August wie jeden Tag los, um zu berichten. Dieses Mal über den Bau einer neuen Schnellstraße. Die Baustelle war bald besichtigt, die Interviews waren schnell geführt. Noch ein paar Fotos und dann zurück nach Hause, um den Beitrag zu schreiben. Continue reading

Afghanistans Journalisten unter Druck

Seit dem Sturz der Taliban 2001 erlebt Afghanistan einen Boom im Mediensektor. Doch Gewalt gegen Journalisten und der bevorstehende Abzug der internationalen Truppen bedrohen die neue Freiheit.

Die heutige Medienlandschaft Afghanistans ist in der Geschichte des Landes ohne Beispiel: Die Menschen erhalten Informationen von 200 Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, 44 Fernsehsendern, 140 Radiosendern und acht Nachrichtenagenturen. Während der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 hatte es neben “Radio Scharia” keine weiteren Medien im Land gegeben. Seit dem Sturz der Gotteskrieger ist die Medienlandschaft aufgeblüht – nicht zuletzt durch die schützende Präsenz und die finanzielle Unterstützung westlicher Staaten. Doch nun ist sie wieder in Gefahr.

Taliban-Angriffe nehmen zu

Erst kürzlich schossen Unbekannte in der westlichen Stadt Herat auf einen Journalisten. Ali Asghar Yacubi war gerade in seinem Auto unterwegs, als zwei vermummte Männer ihn auf einem Motorrad verfolgten und das Feuer eröffneten. Yacubi, der für ein lokales Radio in Herat arbeitet, wurde ins Krankenhaus gebracht. Er überlebte den Schuss in die Brust.

Die Gewalt gegen afghanische Journalisten habe extrem zugenommen, beklagen Medienmacher. Urheber seien hauptsächlich die Taliban, die immer  wieder afghanische Journalisten, vor allem Frauen, angreifen. Die Aufständischen kritisieren “unislamische” Inhalte, also eine Berichterstattung, die ihrer islamistischen Ideologie zuwider läuft. Journalisten werfen der Regierung und den Behörden vor, solchen Verletzungen der Pressefreiheit in Afghanistan tatenlos zuzuschauen. Auch im Fall Yacubi habe sich die Polizei nicht um eine Verfolgung der Täter gekümmert. Continue reading

Uncertainty looms over the future of Afghan press

Since the US-led invasion of Afghanistan, there has been a boom in the country’s media sector. Some critics believe the withdrawal of international troops poses a huge threat to freedom of speech.

There are more than 200 print publications, 44 television broadcasters, some 140 radio stations and 8 news agencies in Afghanistan. It’s something quite unprecedented in the country’s history.

While the Taliban was in power, between 1996 and 2001, there were no forms of media at all, apart from Radio Shariah. Since 2001 the sector has flourished, and yet, some critics claim this may not last for long.

Concerns about the future was made apparent just a few days ago in the western city of Herat, when dozens of journalists and activists demonstrated against restrictions on press freedom in front of a regional government building.

Symbolically, they stuck black tape across their mouths. While there has been a sharp rise in the amount of violence against journalists, the activists said, the government looks on from the sidelines, failing to act. Continue reading

Journalisten in Afghanistan leben gefährlich

Waslat Hasrat-Nazimi

Der BBC-Reporter Ahmad Omid Khpolwak wurde vor einigen Tagen bei einem Taliban Angriff in Afghanistan erschossen. Journalisten in Afghanistan sind noch einer ganz anderen Gefahr ausgesetzt – einer nicht sichtbaren.

Ein afghanischer Journalist filmt nach einem Anschlag ein zerstörtes Auto (Foto: epa)“Afghanische Journalisten erhalten Drohungen meist telefonisch. Die Gesichter der Erpresser bekommen wir nie zu sehen”, erzählt Elias Daghi. Daghi ist ein Kollege des erst kürzlich ums Leben gekommenen BBC-Reporters Ahmad Omid Khpolwak. “Diejenigen, die uns am meisten bedrohen, sind allerdings die Kommandeure der Taliban.” Erst kürzlich habe ihn ein Taliban-Kommandeur aus Helmand angerufen und ihm gesagt, dass seine Berichte zu einseitig wären. “Ich solle die Taliban positiver darstellen.” Falls sie dem nicht nachkommen würden, müssten die Journalisten unter Androhung des Todes die Gegend verlassen.

Vor allem in den südlichen Provinzen sind Daghi und seine Kollegen vielen Gefahren ausgesetzt. Seit dem Sturz der Taliban 2001 wurden bisher 26 Journalisten in Afghanistan während ihrer Arbeit getötet. Für einheimische Journalisten ist die Arbeit besonders gefährlich. Oft werden sie gezwungen, für eine bestimmte Gruppe Propaganda zu betreiben.

 

Zwischen den Fronten

Der afghanischer Journalist Mali Khan Jaqubi interviewt eine Frau (Foto: DW)

Es sind nicht nur die Taliban, die Propaganda verlangen, sagt Abdullah Nezami, ein afghanischer Korrespondent für Al Jazeera TV. “Hier gibt es Mafiagruppen, Warlords, die extremistischen Taliban und selbst die afghanische Regierung, die uns erpressen wollen, für sie zu schreiben”, so Nezami weiter. “Ich selbst wurde sogar schon vom amerikanischen Militär, der afghanischen Polizei und dem afghanischen Geheimdienst festgenommen. Auch von Abgeordneten aus dem Parlament wurde ich bedroht. Manche schrecken selbst vor körperlicher Gewalt nicht zurück.”

Der psychische Druck für afghanische Journalisten ist enorm, erklärt Nezami. Die vielen Selbstmordattentate der Taliban, die zur täglichen Berichterstattung gehören, sind nur ein Teil des Übels.

Feinde der Pressefreiheit

Jeden Tag müssen afghanische Journalisten befürchten, dass sie für ihre Berichte mit dem Leben bezahlen müssen, sagt ein Journalist aus Helmand, der anonym bleiben möchte. Er arbeitet für das Institute of War and Peace Reporting in Afghanistan. Für ihn sind die afghanischen Behörden eher eine Bedrohung als eine Hilfe. “Sogar Gouverneure haben mich schon bedroht, ich solle zu ihrem Vorteil schreiben”, sagt er. “Sollte ich das nicht tun, meinten sie, müsste ich um mein Leben fürchten. Ich habe sogar Aufnahmen, die belegen, welcher Gouverneur das war”, erläutert er.

Dirk Frans wird in Kabul interviewt (Foto: AP) Eine der wenigen Organisationen in Afghanistan, die sich für die Sicherheit von Journalisten und für die Pressefreiheit im Land einsetzen, ist “NAI Supporting Open Media”. NAI ist eine lokale Medien Entwicklungsorganisation, die 2004 von unabhängigen Medienaktivisten und Internews International gegründet wurde. Sie unterstützen die afghanischen Medien, damit diese ihre Aufpasser-Rolle wahrnehmen können.

Spielball der Mächtigen

Aber ohne Gefahr ist das immer noch nicht möglich. Auf dem Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen belegt Afghanistan Platz 147 von rund 180 Staaten. Trotzdem hat die Organisation klare Vorstellungen, wie in Zukunft mit Ermordungen von Reportern umgegangen werden soll. “Wir fordern die internationale Gemeinschaft und die afghanische Regierung auf, dass die Ermordung von Journalisten als Kriegsverbrechen eingestuft wird. Und ein Kriegsverbrecher kann nur vor Gericht bestraft werden”, sagt Mujib Khelwadgar, Vorsitzender der Organisation.

Er erklärt, dass die Medien in Afghanistan sehr einflussreich sind. Deshalb versuchen die Konfliktparteien auch die Berichterstattung zu manipulieren. Journalisten seien lediglich ein Spielball der Mächtigen, die in Afghanistan den Ton angeben, beklagt er. Und das seien, seiner Meinung nach, nicht nur die Taliban, sondern auch die vermeintlich “Guten”.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de