US-Afghanen befürchten Rückschlag nach Massaker

Afghanen stellen nur eine kleine Gruppe unter den Amerikanern asiatischer Herkunft. Auch in ihrer Gemeinschaft hat das Massaker in Orlando einen Schock bewirkt. Manche befürchten jetzt Diskriminierung.

USA Trauerfeier nach Attentat in Orlando

“Little Kabul”, wie Fremont auch genannt wird, beherbergt die größte Zahl von Amerikanern afghanischer Abstammung. Die Hälfte der 220.000 Einwohnern der Stadt in der Bucht von San Francisco sind Asiaten, die Afghanen sind davon nur eine kleine Gruppe von weniger als 7000. Normalerweise tragen sie ihren Teil zum normalen multikulturellen Alltag der Stadt bei, was man etwa am Geruch der Kebab-Grillstände merkt. Aber das Massaker in der Homosexuellen-Bar in Florida durch den afganischstämmigen Omar Mateen hat die afghanischen Amerikaner geschockt. Omar Aziz, Sohn afghanischer Einwanderer in Fremont, ist einer von ihnen. Continue reading

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Diffuse Bedrohung durch den IS in Afghanistan

Die internationalen Truppen ziehen ab, aber Afghanistan droht eine neue Gefahr: Der “Islamische Staat” soll nun auch dort Anhänger gewinnen. Über das Ausmaß der Bedrohung herrscht aber noch keine Klarheit.

Verschleierte Frauen mit Gewehren aus einem IS-Propaganda-Video (Foto: picture-alliance/dpa/Syriadeeply.org)

“Der IS ist jetzt auch in Afghanistan aktiv”, sagt der Vorsitzende des Provinzrats von Farah, einer Provinz in West-Afghanistan. Gegenüber der Deutschen Welle bekräftigt Farid Bakhtwar, dass jüngste Berichte über die Präsenz der islamistischen Terror-Miliz in Teilen des Landes zuträfen. Sie rekrutierten dort neue Kämpfer, einige ehemalige Taliban-Kämpfer hätten sich dem IS angeschlossen, so Bakhtwar. Seit Anfang des Jahres hatten afghanische Sicherheitsbehörden immer wieder gemeldet, dass der “Islamische Staat” in Afghanistan aktiv sei. Continue reading

Angst vor dem IS in Afghanistan

Die Berichte über den Aufschwung der Gruppe “Islamischer Staat” häufen sich in Afghanistan. In dem ohnehin von Terror gebeutelten Land ist das für viele Afghanen eine Horrorvorstellung.

Protest gegen IS in Afghanistan (Foto: Hambastagi)

“Es sind Männer mit schwarzen Fahnen und schwarzer Kleidung”, berichtet Gol Mohammad nervös. “Ich habe gesehen, dass sie schwere Waffen besitzen und luxuriöse Autos fahren”, beschreibt er die Kämpfer. In der westlichen Provinz Farah im Distrikt Khake Safed sollen sie eines Tages einfach aufgetaucht sein. Seitdem häufen sich die Gerüchte. Den Menschen macht das Angst. “Wir fürchten sie mehr als die Taliban”, sagt Gol Mohammad, der in diesem Distrikt zu Hause ist. Bisher haben sie uns in Ruhe gelassen, aber das kann sich bald ändern”. Ob die vermummten Männer tatsächlich IS-Kämpfer aus dem Irak sind, kann Gol Mohammad nicht sagen. Continue reading

UN Imposes Sanctions on Haqqani Network

Waslat Hasrat-Nazimi

The UN has imposed global sanctions on the Haqqani network, which it says is linked to al Qaeda and is responsible for suicide attacks, assassinations and kidnappings in Afghanistan.

The UN Security Council’s Taliban sanctions committee ordered all 193 UN member states to freeze the assets and institute an arms embargo against the Haqqani network on Monday.

An operational commander involved in many of the network’s high-profile attacks, Qari Zakir, was also singled out and placed on the blacklist. The Obama administration has also blacklisted him.

The Afghan government welcomed the move saying it was important for the fight against terrorism in neighboring Pakistan.

Jalaluddin Haqqani; Photo: AP Photo/Mohammed Riaz Jalaluddin Haqqani is the leader of the Haqqani network

“Qari Zakir is a key figure of the Haqqani group,” Sediq Seddiqi from Afghanistan’s interior ministry said. “He is behind most attacks and works very closely with the Taliban. Others should also be put on the list. The terrorists who are in Pakistan have to be prosecuted.”

The US had already designated the Haqqani network as a terrorist organization in September. The group’s commanders said this was proof that Washington was not sincere about peace efforts in Afghanistan, while the Taliban said the sanctions made no sense because they did not have any assets in the US and were not in contact with US citizens. Continue reading

“Brutstätten des Extremismus”

Waslat Hasrat-Nazimi

Koranschulen in Pakistan stehen unter Verdacht, Brutstätten des Extremismus zu sein. Ist dieser Vorwurf berechtigt? WaslatHasrat-Nazimi sprach mit dem Pakistan-Experten Jochen Hippler von der Univeristät Duisburg-Essen.

Am Dienstag (13.12.) wurden in einer religiösen Schule in Pakistan angeblich mehr als fünfzig junge Männer, teilweise auch Kinder, schwer misshandelt. Sie sollten óffenbar zu Selbstmordattentätern ausgebildet werden. Viele Experten gehen davon aus, dass das kein Einzelfall in Pakistan ist. Was denken Sie?

Jochen Hippler: Die religiösen Schulen in Pakistan sind sehr unterschiedlich. Eine ganze Reihe von ihnen werden auch von halbwegs aufgeklärten Angehörigen der Mittelschicht besucht. Wir haben aber auch eine Reihe von Koranschulen oder “Madrasas”, die eine wichtige Rolle bei der Radikalisierung spielen und Brutstätten des Extremismus sind. Und da gibt es auch Fälle, wo Zwang ausgeübt wird. Dies ist jedoch nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Viele Schüler gehen freiwillig in diese Schulen, weil es kostenloses Essen gibt und man auch teilweise die religiöse Ideologie teilt.

Demnach wird an diesen Koranschulen teilweise auch eine extreme Sichtweise des Islam gelehrt. Das geschah vor allem in den 80er Jahren, als religiöse Kämpfer, die Mudschahedin, ausgebildet wurden, um in Afghanistan gegen die Russen zu kämpfen. Dieser Krieg ist lange vorbei, die Russen sind nicht mehr da – warum sind die Madrasas immer noch so mächtig?

Jochen Hippler: Tatsächlich gab es in den achtziger Jahren eine Tendenz zu glauben, durchaus auch mit ausländischer Unterstützung durch Länder wie Saudi Arabien, teilweise aber auch die USA, gute Kämpfer gegen die Sowjetunion heranbilden zu können. In dieser Zeit wurden viele dieser religiösen Schulen neu gegründet. Als die Russen abzogen, hat sich das verselbständigt. Als dann die USA ihre finanzielle Unterstützung beendeten, waren die Schulen schon zu einem politischen Faktor geworden, der sich in Pakistan selber eine Basis verschafft hatte. Spendensammlungen in Pakistan und weitere Geldmittel aus den Golfstaaten haben diese religiösen, extremistischen Schulen zusätzlich begünstigt.

Was sind die Ziele? Pakistan hat ja vor langer Zeit entdeckt, dass man die religiösen Kämpfer nicht nur in Afghanistan für die eigenen Interessen nutzen kann, sondern auch in der Region Kaschmir. Hat Pakistan also bewusst nichts gegen eine Ausweitung dieser Madrasas unternommen?

Jochen Hippler: Wenn man den Geist aus der Flasche lässt, kann man ihn schlecht zurückstopfen. Viele dieser [extremistischen Anm.d.Red.] Gruppen, die mit Regierungshilfe, mit Militärhilfe, aufgepäppelt werden, sind inzwischen so stark geworden, dass sie sich nicht mehr zurückpfeifen lassen. Sie operieren selber, teilweise in Afghanistan, in geringem Maße in Kaschmir, teilweise auch bei konfessioneller Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten in Pakistan selbst. Diese Gruppen sind außer Kontrolle geraten. Doch einige ehemalige Militärs und pensionierte Geheimdienstler ziehen immer noch im Hintergrund die Fäden.

Wie kann die internationale Gemeinschaft, die teilweise dazu beigetragen hat, dass diese Schulen entstehen, den großen Einfluss extremistischer Schulen in Pakistan dämmen?

Jochen Hippler: Ich glaube, dass wir uns nicht zu sehr nur auf die Schulen konzentrieren sollten, weil das Umfeld dieses Extremismus noch breiter ist. Aber was mir bezogen auf die Madrasas wichtig zu sein scheint ist, dass viele Eltern aus ärmeren Verhältnissen ihre Kinder dorthin schicken. Die Schulen sind kostenlos. Und die Eltern sehen sie als einzige Chance, um den Kindern überhaupt eine Ausbildung angedeihen zu lassen. Es wäre also wichtig, in Pakistan ein Schulwesen aufzubauen, das besser ist und ähnliche soziale Dienstleistungen anbietet, wie die religiösen Schulen. Häufig schicken die Eltern ihre Kinder nicht dorthin, um ihre Kinder religiös verhetzen zu lassen, sondern weil es die einzige Chance ist, den Kindern überhaupt eine Ausbildung zu geben.

Dr. Jochen Hippler ist Politikwissenschaftler und zur Zeit Privatdozent am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de

Neue Eiszeit zwischen USA und Pakistan

Waslat Hasrat-Nazimi/Ahmad Wali Achakzai

Pakistans Geheimdienst führe in Afghanistan über die Haqqani-Gruppe einen Stellvertreterkrieg gegen die USA, sagt US-Admiral Mike Mullen. Die Beziehungen beider Länder haben einen neuen Tiefpunkt erreicht.

US-Generalstabschef Mike Mullen am Rednerpult (Foto:AP/dapd)

US-Generalstabschef Mike Mullen am Rednerpult

Selten war die Rolle Pakistans im Krieg gegen den Terror eindeutig. Oft wurde dem strategischen Partner der USA vorgeworfen, den Terror in Afghanistan zu unterstützen – jedoch nie offiziell. Jetzt aber hat US-Generalstabschef Mike Mullen den pakistanischen Geheimdienst ISI in einer Rede öffentlich beschuldigt, durch die Haqqani-Gruppe indirekt Krieg gegen die USA und ihren Partner in Afghanistan zu führen: “Der pakistanische Geheimdienst soll seine enge Verbindungen zur Haqqani-Gruppe lösen und den Stellvertreterkrieg durch diese Gruppe gegen die USA aufgeben. Sonst werden wir keine Erfolge im Gesamtprozess erzielen können.”

Haqqani-Gruppe für Anschläge verantwortlich

Das “Haqqani-Netzwerk” ist eine terroristisch-islamistische Organisation, die El-Kaida nahe steht. Die USA macht die Haqqani-Gruppe, deren Sitz in den westpakistanischen Stammesgebieten von Nord-Waziristan vermutet wird, für eine große Anzahl von Anschlägen in Afghanistan verantwortlich – unter anderem für den Anschlag auf das Kabuler Diplomatenviertel Mitte September.

 

Mullens Äußerungen belegen nach Ansicht des pakistanischen Journalisten Rahimullah Yusufzai, wie abgekühlt die Beziehungen zwischen Pakistan und USA inzwischen seien: “Jetzt sagen die Amerikaner offen, dass Pakistan die Haqqani-Gruppe zum eigenen Vorteil unterstützt und dass wir den Taliban und den aufständischen Gruppen in Afghanistan helfen. Ich denke, dass die Beziehungen, die schon vorher nicht gut waren, sich in Zukunft noch weiter verschlechtern werden.”

Suche nach einem Sündenbock

Pakistan ist jedoch von den Unterstützungen der USA abhängig. Das pakistanische Militär erhält milliardenschwere Finanzhilfen aus den USA. Erst kürzlich wurden allerdings neue Bedingungen an diese Unterstützung geknüpft. Um weitere Gelder zu erhalten, solle Pakistan entschlossen gegen die Haqqani-Gruppe vorgehen, entschied ein Komitee des US-Senats. Tallat Massoud, pakistanischer Verteidigungsexperte, hält diesen Schritt der USA für einen Vorwand, um eigene Misserfolge in Afghanistan zu vertuschen. Seiner Meinung nach suchten die USA einen Sündenbock: “Die Amerikaner hatten bisher keine großen Erfolge, besonders in den letzten Monaten. Der Anschlag vor einigen Tagen auf das Diplomatenviertel in Afghanistan war peinlich für sie, deswegen wollen Sie die Schuld weitergeben.” Pakistan sehe sich aber weiterhin als Partner im Krieg gegen den Terror, so Tallat Massoud.

Wir verurteilen die US-Intervention in Pakistan steht auf dem Plakat, das wütende Demonstranten tragen (Foto: AP)
Anti-Amerikanische Parolen bei einer Demonstration in Pakistan

Freund oder Feind im Kampf gegen den Terror?

Allerdings haben die Pakistaner das gefühl, dass ihre bisherigen Bemühungen nicht gewürdigt werden. Die Drohnenangriffe in den pakistanischen Grenzgebieten zu Afghanistan stoßen auf eine starke Ablehnung in der Bevölkerung. Auch bei der Militäroperation gegen Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden im Mai reagierte Pakistan verärgert auf den Alleingang der USA. Sollten die USA nun wieder eigenständig in Pakistan handeln, könnte das schwerwiegende Folgen haben, meint Rahimullah Yusufzai. “Wenn die Amerikaner tatsächlich Militäroperationen gegen das Haqqani-Netzwerk in pakistanischen Stammesgebieten durchführen, dann könnte und würde Pakistan nichts dagegen tun. Sollten sie aber in Erwägung ziehen, Nord-Waziristan zu besetzen, dann könnten sie einen Krieg provozieren.”

In weiten Teilen von Pakistans Bevölkerung herrscht bereits eine anti-amerikanische Stimmung. Die Bevölkerung fühle sich durch die jüngsten öffentlichen Anschuldigungen der USA weiter unter Druck gesetzt, sagte die pakistanische Außenministerin Hina Rabbani Khar in einem Fernsehinterview am 23.09.2011. Sie warnte die USA, dass sie Pakistan als Verbündeten verlieren könnten, falls weitere Anschuldigungen folgten. “Wenn die USA weiter den Terrorismus bekämpfen wollen, können sie es sich nicht leisten, Pakistan und seine Menschen gegen sich aufzubringen.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:  DW.de