US-Afghanen befürchten Rückschlag nach Massaker

Afghanen stellen nur eine kleine Gruppe unter den Amerikanern asiatischer Herkunft. Auch in ihrer Gemeinschaft hat das Massaker in Orlando einen Schock bewirkt. Manche befürchten jetzt Diskriminierung.

USA Trauerfeier nach Attentat in Orlando

“Little Kabul”, wie Fremont auch genannt wird, beherbergt die größte Zahl von Amerikanern afghanischer Abstammung. Die Hälfte der 220.000 Einwohnern der Stadt in der Bucht von San Francisco sind Asiaten, die Afghanen sind davon nur eine kleine Gruppe von weniger als 7000. Normalerweise tragen sie ihren Teil zum normalen multikulturellen Alltag der Stadt bei, was man etwa am Geruch der Kebab-Grillstände merkt. Aber das Massaker in der Homosexuellen-Bar in Florida durch den afganischstämmigen Omar Mateen hat die afghanischen Amerikaner geschockt. Omar Aziz, Sohn afghanischer Einwanderer in Fremont, ist einer von ihnen. Continue reading

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Treffen in Kabul sondiert Friedensgespräche

Zum vierten Mal treffen sich Vertreter Pakistans, Afghanistans, der USA und Chinas, diesmal in Kabul, um nach Wegen zu suchen, die Taliban zu Friedensgesprächen zu bewegen. Aber noch schwören die wenigsten der Gewalt ab.

Taliban in Afghanistan (Foto: Getty Images)

Bei seiner Rede am Nationalfeiertag und zum Gedenken an den Abzug der sowjetischen Truppen am 14. Februar hatte Präsident Ashraf Ghani die islamistischen Taliban einmal mehr dazu aufgerufen, sich den Friedensbemühungen anzuschließen. “Ein weiteres Mal wende ich mich an die Taliban mit der Forderung, sie mögen in Gottes Namen, um des Volkes Willen und die Bemühungen der Mujaheddin-Führer respektierend, den Ruf des Friedens bejahen”, so Ashraf Ghani, der noch nicht müde geworden ist, an eine politische Lösung zu glauben. Continue reading

Afghanistan and Iran: A blossoming friendship?

A new MoU on intelligence cooperation between Afghanistan and Iran is not likely to please the US, according to experts. But what else is Kabul to do if it wants more leverage with Washington?

Afghan national security advisor, Rangin Dadfar Spanta, and his Iranian counterpart, Saeed Jalili, sign the MoU in Teheran. (Photo: Mehr/Mohammad Hossein Velayati)  

With foreign troops packing up, Afghanistan is working feverishly to establish a proper security network that will last after ISAF soldiers have gone. While negotiations with Pakistan and with the US have not gotten very far, Kabul seems to have come up with a surprising alternative.

Afghan national security advisor, Rangin Dadfar Spanta, and his Iranian counterpart, Saeed Jalili, secretary general of the council for national security, signed a Memorandum of Understanding (MoU) on military cooperation on Sunday, August 4 in Tehran. According to the document, both countries agreed on sharing intelligence and expertise on the fight against terrorism as well as on matters regarding national security.

Pressure on the US

The US will “not be pleased” with the understanding between its archenemy Iran and Afghanistan, says political analyst Shah Hussain Murtazavi who works for the government-critical newspaper Hasht-e Sobh in Kabul. “It is a political message,” Murtazavi believes. “Karzai only wants to show that he can have friendly relations with other parties, even with America’s number-one enemy, should the US not be willing to cooperate with him.” Continue reading

Iran und Afghanistan planen Sicherheitsabkommen

Sicherheitspoker am Hindukusch: Mit einer Initiative Richtung Teheran möchte Kabul klar machen, dass es auf die USA als Schutzmacht nicht angewiesen ist.

Rangin Dadfar Spanta und Syed Jalali unterzeichnen ein Sicherheitsabskommen zwischen Afghanistan und Iran (Foto: Mehr/Mohammad Hossein Velayati) Im Schatten des anlaufenden Rückzugs der ausländischen Truppen arbeitet Afghanistan fieberhaft an einem tragfähigen Sicherheitsnetz für die Zeit nach 2014. Während die Verhandlungen mit Pakistan und vor allem mit den USA nicht so recht vorankommen, überrascht Kabul nun mit einem besonders brisanten Vorstoß: Der Afghane Rangin Dadfar Spanta, Berater für Nationale Sicherheit, und sein iranischer Counterpart Said Dschalili, Generalsekretär des nationalen Sicherheitsrats, unterschrieben am Sonntag (04.08.2013) in Teheran ein Memorandum of Understanding über eine militärische Zusammenarbeit. Darin vereinbarten die beiden Länder einen Austausch von geheimdienstlichen Informationen sowie einen Erfahrungsaustausch im Kampf gegen den Terrorismus und über die Abwehr von Bedrohungen der nationalen Sicherheit.

Druck auf die USA

Die USA wird über die Übereinkunft mit seinem Intimfeind Teheran “nicht erfreut sein”, meint Shah Hussain Murtazavi, politischer Analyst bei der regierungskritischen afghanischen Zeitung “Hasht-e Sobh”. Die Frage ist, warum Kabul Washington mit einem derartigen Dokument düpiert: “Es ist eine politische Botschaft”, glaubt Murtazavi. “Mit dem Abkommen will Präsident Karsai zeigen, dass er auch mit den Erzfeinden Amerikas Freundschaft schließen kann, sollten die USA nicht mit ihm kooperieren.”

“Ein Signal an die USA, dass Afghanistan auch andere Optionen hat,” sieht auch Thomas Ruttig, der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network (AAN). “Afghanistan versucht angesichts des Abzuges der meisten westlichen Kampftruppen seine Beziehungen zu diversifizieren und sicher auch Druck auf die USA auszuüben”. Bisher gab es zwar immer wieder Gespräche über ein Sicherheitsabkommen mit Washington. US-Präsident Barack Obama drängt auf eine schnelle Einigung. Er möchte bis Oktober den Vertrag unter Dach und Fach haben. Doch Afghanistan zögert. Analyst Ruttig meint, dass die Afghanen zunächst ihre Verhandlungsbasis verbessern wollen, um ihre Wünsche durchzusetzen, die sehr handfest sind: So fordern die afghanischen Streitkräfte von den USA noch mehr modernes Equipment, um auch nach 2014 alleine die Sicherheitsverantwortung tragen zu können. Continue reading

Experts doubt the Taliban will aim for peace

Afghan security forces have taken control over the security of their country. The Taliban have announced plans to continue carrying out attacks, even as they prepare for peace talks with the US.

Afghanistan has reached a turning point. The International Security Assistance Force (ISAF) formally handed over control of the last 95 districts to Afghan forces at a ceremony attended by President Hamid Karzai and NATO Secretary General Anders Fogh Rasmussen at a military academy outside Kabul on Tuesday, June 18. Most of those districts are located in the volatile south of the country. The approximate 100,000 NATO soldiers still stationed in the country will now only be called upon if needed.

On the same day as the handover, the Taliban made a show of strength by carrying out attacks. A bomb explosion in Kabul killed at least three people and injured 24 others. Two rockets fired at the US airbase Bagram, just north of the capital, later on killed four US soldiers. Continue reading

Sicherheit nach 2014 – mit den Taliban?

Afghanistans Armee und Polizei haben die Verantwortung für die Sicherheit im Land komplett übernommen. Gleichzeitig gehen die Anschläge der Taliban weiter – trotz geplanter Friedensgespräche mit den USA.

Afghanistan steht an einem Wendepunkt. Die NATO hat offiziell die Sicherheitsverantwortung an die Regierung Karsai übergeben, die letzen 95 Bezirke – sie liegen hauptsächlich im umkämpften Süden – sind nun in afghanischer Hand. Die noch im Land stationierten rund 100.000 NATO-Soldaten werden künftig nur noch unterstützend eingreifen. Doch noch am Tag der Übergabe zeigten die Taliban, dass sie weiterhin ungehindert zuschlagen können. Bei einem Bombenanschlag in Kabul wurden mindestens drei Zivilisten getötet und 24 weitere Menschen verletzt. Später töteten zwei Raketen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Bagram nördlich von Kabul vier US-Soldaten.

Verhandlungen mit den Taliban

Afghanistans Präsident Karsai auf auf einer Pressekonferenz (Foto: AFP)Die Taliban treten inzwischen selbstbewusst auf. Ihre neu eröffnete, offizielle Vertretung in Doha, der Hauptstadt des Golf-Emirats Katar, ist ein sichtbares Zeichen der neuen Stärke. Sie haben zudem angekündigt, ihre Angriffe und Anschläge in Afghanistan fortsetzen zu wollen – trotz der geplanten direkten Verhandlungen mit den USA. Die US-Regierung hatte am Dienstag (18.06.2013) angekündigt, in Doha direkte Gespräche mit den Taliban über ein Ende des Konflikts aufnehmen zu wollen. Diese sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters allerdings inzwischen verschoben worden.

Nach über einem Jahrzehnt ISAF-Einsatz sei ohne die Radikal-Islamisten kein Frieden möglich, meint der politische Analyst Waheed Mozhdah: “Die internationale Gemeinschaft ist nun zu dem Entschluss gekommen, dass der Afghanistan-Konflikt nicht durch Krieg zu lösen ist. Die USA wollen bereits vor 2014 eine Art Frieden mit den Taliban herstellen, damit sie in Ruhe das Land verlassen können. Die Gespräche in Doha können ein großer Schritt in die richtige Richtung sein.”

Präsident Hamid Karsai ist anderer Ansicht. Er ist verärgert über die geplanten Gespräche. Inzwischen kündigte seine Regierung an, Friedensverhandlungen in Doha zu boykottieren, solange es sich nicht um einen vollständig von Afghanen geführten Friedensprozess handele. Außerdem drohte er an, die bilateralen Gespräche mit den USA über ein zukünftiges Sicherheitsabkommen auszusetzen. Continue reading

Afghans want US soldier to hang for massacre

To avoid the death penalty, a US soldier pleaded guilty to slaying 16 civilians, many of them women and children, in the Afghan province of Kandahar. However, survivors and victims’ relatives want Robert Bales executed.

The news about Bales reached the people of the Panjwai district of Kandahar just moments after the Staff Sergeant made his plea before a US military tribunal in Washington State. The inhabitants of the village, where Bales ran amok on March 11, 2012, have been closely monitoring every stage of the trial.

Prosecutors say Bales slipped away before dawn from his base in Kandahar Province. Armed with a pistol and a rifle he attacked neighboring villages and killed or wounded a total of 22 people. Most of the victims were women and children, and some of the bodies were burned. The incident sparked outrage in Afghanistan and among the international community and pushed the already strained US-Afghan ties to a new low.

Military Judge Colonel Jeffery Nance accepted Bales’ guilty pleas, and ruled that the 39-year-old would face a maximum of life behind bars without eligibility for parole. A jury will decide in August whether the soldier is sentenced to life with or without the possibility of parole. His lawyer, John Browne, told AFP he hoped his client would be released from jail after serving 10 years in prison. Continue reading

Afghanen fordern Todesstrafe für US-Feldwebel

US-Feldwebel Robert Bales entgeht mit seinem Geständnis, 2012 in Afghanistan vorsätzlich 16 Menschen getötet zu haben, der Todesstrafe. Die Angehörigen der Opfer sind empört, sie fordern seine Hinrichtung.

Kurze Zeit nachdem Robert Bales am Mittwoch (05.06.2013) vor einem Militärgericht sein Geständnis abgibt, haben auch die Bewohner von Panjwai in Kandahar im Süden Afghanistans aus den Medien davon erfahren. Vor allem die betroffenen Familien der Opfer und Verletzten verfolgen jede Nachricht über den amerikanischen Feldwebel.

Bales wird vorgeworfen, in der Nacht des 11. März 2012 zwei Mal von einem US-Außenposten im Bezirk Panjwai in umliegende Dörfer aufgebrochen zu sein, wo er vorsätzlich insgesamt 22 Menschen, unter ihnen 17 Frauen und Kinder, tötete oder schwer verletzte. Mehrere Leichen soll Bales angezündet haben. Der Feldwebel gestand alle diese Taten. Er will mit seinem Geständnis der Todesstrafe entgehen. Die Verteidigung hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass Bales sich in allen Anklagepunkten wegen des Massakers schuldig bekennen werde. Im Gegenzug hatte die Staatsanwaltschaft zugesichert, keine Hinrichtung anzustreben. Als Höchststrafe legte der Richter nun lebenslange Haft ohne Chance auf Bewährung fest. Continue reading